Meine DF V6 wird aufgetakelt

Die Dragon Force 65 V6, ein Boot der RG-65 Klasse, wurde mit einer umfangreichen Anleitung geliefert. Mit „ich takel auf“ meine ich natürlich auch die anderen, für den Zusammenbau des Bootes erforderlichen Arbeiten.
Dieser kleine Bericht soll die Original-Anleitung mit meinen Erkenntnissen nur ein wenig ergänzen und das eine oder andere vielleicht noch ein wenig mehr verdeutlichen.

Beim Auftakeln habe ich mich mit zwei Ausnahmen sehr strikt an Aufbauanleitung von Joysway gehalten. Und das funktionierte sehr gut, obwohl ich nicht ausgesprochen gut des Englischen mächtig bin.
Die eine Ausnahme betrifft den Einbau der Fernsteuerung. Das habe ich aus zwei Gründen gleich zu Beginn gemacht: Erstens stört da noch nicht das Rigg und zweitens wollte ich unbedingt wissen, ob alles funktioniert. Den Einbau der RC-Anlage habe ich hier extra beschrieben.
Die zweite betrifft den Kiel. Ich habe zum Auftakeln meine Universal-Helling genutzt. Die ist dafür viel praktischer, als der mitgelieferte Bootsständer und der Kiel hätte m.E. zunächst sowieso gestört.

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Die Fernsteuerung ist schon mal eingebaut und funktioniert bestens. Auch der Akkuhalter schleift nicht mehr an der Segeltrommel

Zum Auftakeln braucht man Geduld, nur wenig Werkzeug und Sekundenkleber. Für alle Inbusschrauben liefert Joysway passende Schlüssel und sogar ein Stückchen selbstklebendes Klettband zur Befestigung des Empfängers lag bei.

Die Mastteile habe ich gemäß Anleitung mit Sekundenkleber verklebt und dabei wie ein Schießhund aufgepasst, ja alle Teile richtig zu verkleben! Da die Teile teilweise schon mit dem Großsegel verbunden waren, galt es doppelt aufzupassen um nichts zu verschmutzen. Zum Verkleben nutzte ich nur sehr wenig Kleber und drehte die Teile dann ineinander. So quoll nichts aus der Klebestelle heraus.
Kritischer war das Einkleben des Carbon-Verklickers in den Schwenkkopf. Das probierte ich zum Glück erst einmal ohne Kleber und dabei stellte sich heraus, dass die Teile nur mit großem Kraftaufwand korrekt ineinander zu schieben waren. Ich schliff den Verklicker an dieser Stelle etwas ab und nutzte beim Kleben zum Eindrücken eine Flachzange. Das anschließende bündig herunter drücken in den Schwenkkopf war trotzdem nur mit erheblichem Krafteinsatz möglich und musste zudem wegen des Sekundenklebers schnell gehen. Das sollte man alles vorher trocken üben es war der einzige wirklich kritische Moment beim Auftakeln.

Ich merkte sehr schnell, das ich für die Filigranarbeiten am stehendem und laufendem Gut nicht nur ruhige Hände brauchte, sondern vor allem spitze Pinzetten. Manche Knoten fertigen oder einfach nur irgendwo etwas durchziehen ist sonst äußerst mühsam oder klappt gar nicht.

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Einfädler im „Bowsie-Einsatz“ und …
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… bei Arbeiten am Baum

Alle Knoten sicherte ich mit dünnflüssigen Sekundenkleber. Hier lernte ich sehr schnell, wie sinnvoll es ist, insbesondere auf Deck immer etwas unter zu legen. Zwei, drei mal landeten winzige Spritzer auf dem Deck, zum Glück ohne wesentlichen Schaden anzurichten. Jedoch klebte einer dieser Spritzer das Gummiband fest. Das durfte ich dann flicken. In manchen Fällen war es auch sinnvoll Abstandhalter zu verwenden, wenn z.B. Knoten dicht beieinander oder dicht an irgendwelchen Bauteilen lagen. Für all dies erwiesen sich Blättchen von meinem Notizblock als ideal.

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So ist es sicherer als ohne. Die Knoten nicht zu früh in die Bowsies ziehen!

Beim Durchfädeln der Schnüre durch die Bowsies bekam ich fast die Krise, bis mir die Idee kam, es mit einen Fadeneinfädler für Nähnaden aus meinen Nähuntensilien zu versuchen. Das funzte super! Bowsies waren nun kein Problem mehr. Der Einfädler funktionierte auch gut bei den Arbeiten an den Bäumen,  um die Schnur durch die Führungsösen oder Gummiringe (dabei mit spitzen Fingern etwas vom Baum abziehen) zu ziehen. Ich hatte irgendwo gelesen, das manche für die Gummiringe dünne Drahtschlingen benutzen.

Zum Abschneiden der Schnüre oder überflüssiger Schnurteile an den Knoten nutzte ich ein kleines Cutter-Messer mit Abbrechklinge. Ohne so ein scharfes Teil wird es schwierig, denn die Dyneema Schnüre sind sehr zäh. Viele Scheren produzieren da nur ausgefaserte Schnitte.
Die Enden der Schnüre verschmolz ich immer sehr vorsichtig mir einem Gasfeuerzeug.

Die Anleitung empfiehlt, an der Schlaufe der Schnur, mit der die Fock am Deck befestigt wird, noch ein ca. 8 cm langes Stück Dyneema-Schnur zu knoten. Damit soll man dann die Fockbefestigung leichter über den Haken ziehen können. Ich halte die Idee für richtig, die Dyneema-Schnur jedoch für nicht sonderlich geeignet. Beim Einfädeln durch die Decksaugen ist sie zu weich und zum kräftigen Ziehen zu dünn. Daher habe ich eine etwas steifere, dickere und auch andersfarbige Schnur angeknotet.

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Die Schnur für die Fock. Mit dieser Knotenorgie habe ich ein wenig geschlampt. Wird nach der Jungfernfahrt beseitigt

Die gleiche Schnur habe ich auch für eine kleine Zugschnur an der Öse des Schalters verwendet. Nach meiner Einschätzung ist das Ding ohne mit kalten Fingern und überhaupt nur unkomfortabel bedienbar. Für einen besseren Griff habe ich ein paar Knoten in die Zugschnur geknotet.
Der Stopfen im Entwässerungsloch schien mir prädestiniert, verloren zu gehen. Ich habe ein kleines Loch in den Griff gebohrt und ihn mit etwas Dyneema-Schnur ebenfalls an der Schalteröse befestigt.

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Die grüne Schnur ist für den Schalter und die weiße dient als Sicherung für den Stopfen

Abschließend habe ich noch die Segel gemäß Patrick Rynnes Anweisungen getrimmt. Die finde ich schlüssig und sie scheinen in der DF-Gemeinde wohl auch akzeptiert. Und außerdem muss ein Anfänger bei seiner ersten Fahrt ja auch nicht wie ein solcher erscheinen – zumindest was den Trimm der Segel betrifft.

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Der Mast musste beim Trimmen in die hinterste Stellung
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Soweit stimmt’s schon mal …

So ziemlich zuletzt habe ich dann noch die Sitze der Decksaugen mit Epoxyd abgedichtet. Dafür habe ich einen dünnen Fingerfoodstab aus Bambus genutzt und von dessen Spitze sehr vorsichtig etwas Epoxy in die Vertiefungen der Decksaugen laufen lassen.

Den Kiel habe ich erst ganz zuletzt montiert. Die Ballastschraube und die für die Befestigung im Rumpf habe ich dabei mit Loctite gesichert und das Schraubenloch im Ballast mit Tesa abgeklebt.

Und wenn dann doch mal was kaputt oder verloren geht, hier noch ein paar Links für Ersatzteile:
RC Yachts in GB – https://www.radiosailing.co.uk/
Hobby Direkt – https://www.hobbydirekt.de/

Eine komplette Ersatzteilliste mit Teilenummern findet sich auf Seite 15 im Manual.

 

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