FAQ …

Als Einsteiger nicht nur in die RG-65 Klasse sondern in den Bau von Modellsegelbooten überhaupt, stand ich immer wieder vor Fragen. Entweder zu Konstruktionsmerkmalen – „Warum ist das so?“ – oder zum Bau der Boote – „Wie kann ich … ?“. Da ich denke, dass es vielen Einsteigern ähnlich geht, habe ich hier einmal etliche dieser kleinen Stolpersteine zusammen gefasst. Gibt es neue, dann werden sie im Laufe der Zeit hier Eingang finden.

… zur Konstruktion von RG-65 Booten

  • RG-65 ist ein sog. Konstruktionsklasse. Doch was bedeutet das?
    Bei einer Konstruktionsklasse sind in der Klassenregel nur bestimmte Eckwerte wie z.B. die Bootslänge oder Segelfläche definiert. Diese Festlegungen müssen eingehalten werden. Alles, was nicht festgeschrieben ist, kann von Konstrukteuren und Bootsbauern jedoch frei gestaltet werden, solange es nicht unter bewusster Ausnutzung einer Regelwerklücke dem Geist der Klasse grob zuwider läuft. Konstruktionsklassen sind daher sehr innovativ. Sie ziehen vor allem Selberbauer und Tüftler an.
  • Ist RG-65 Bauen und Segeln teuer?
    Diese Frage lässt sich nur im Vergleich zu anderen Klassen und auch nur annähernd beantworten. Viel hängt auch von der persönlichen Situation des Fragestellers ab. Welches Budget steht zur Verfügung, welches Werkzeug und Material ist bereits vorhanden?
    Im Vergleich z.B. zur IOM und den meisten anderen Wettbewerbsklassen gehört RG-65 zu den deutlich preiswerteren Klassen. Der Einstieg ist mit einem fertigen Boot aus dem Handel, wie der durchaus leistungsfähigen Dragon Force 65 V6 (ARTR – fast segelfertig) für ca. 200 € und einer Flysky FS i6-Fernsteuerung Akku für ca. 50 € möglich. Der Aufwand für klassisch selber bauen oder laminieren hängt wesentlich vom bereits vorhanden Werkzeug und Material ab. Besitzt man schon fast alles kann man durchaus ein ordentliches Boot für ca. 200 € bauen. Muss man allerdings alles Werkzeug und Material erst kaufen sind Kosten von ca. 1.000 € für das erste Boot nicht unrealistisch. Danach wird’s dann allerdings drastisch billiger, s.o..
    Wer einen 3D-Drucker besitzt, der kommt preiswerter weg. Je nach Aufwand sind auch hier ca. 200 € für das erste Boot durchaus realistisch.
  • Warum sehen RG-65 Boote nur grob wie ihre Vorbilder aus?
    Weil sie reine Wettbewerbsboote sind! Sie sind, anders als die sog. „Scale“-Boote, auf Geschwindigkeit verbunden mit Agilität optimiert, ähnlich wie die Formel 1 im Autorennsport.
  • Warum sind in die Decks der Boote große Löcher geschnitten, die nur mit dünner Folie abgedeckt sind?
    Diese Löcher ermöglichen zweierlei: Zugriff für Einstellarbeiten und Reparaturen an den Einbauten im Boot und eine deutliche Gewichtsreduzierung des Bootes.
  • Warum haben manche Boote im (Heck-)Spiegel ein Loch?
    Durch dieses Loch kann die Befestigungsschraube des Ruderarms an der Ruderachse leicht betätigt werden. Muss z.B. das Ruder nachjustiert werden muss nur der kleine Patch am Spiegel entfernt werden und nicht nur der große auf Deck. Die Schraube ist durch das Loch auch besser zugänglich.
  • Warum haben manche Boote (z.B. die Nuraghe) im Bugbereich so eine eigenartige „Nase“ auf Deck?
    Wenn das Boot auf Vorwindkurs unterzuschneiden beginnt, dann zerteilt diese Erhöhung auf Deck das Wasser ganz ähnlich wie der Bug. Dadurch kann das Boot, wenn auch eingeschränkt, weiter Fahrt machen und bleibt manövrierfähig.
  • Was sind die Vorteile eines „Swing-Riggs“?
    Bei schwachem Wind hat es leichte Vorteile gegenüber einem „Conventional“. Vor dem Wind hat man immer eine optimale Segelstellung. Der Wechsel eines Riggs geht wesentlich schneller und der Trimm bleibt dabei erhalten.
  • Was sind die Vorteile eines „Conventional-Riggs“?
    Bei stärkeren Winden hat es leichte Vorteile gegenüber einem „Swing“ und es soll wohl auch geringfügig höher am Wind laufen können. Optisch kommt es der Vorstellung einer Bootsbesegelung näher, als ein Swing, da es reale Vorbilder hat.
  • Warum ist die Masttasche eines Swing-Riggs meist länglich?
    Die längliche Form ermöglicht das Versetzen des Mastes auf der Längsebene des Rumpfes und ermöglicht so einen Trimm bezüglich Luv- oder Leegierigkeit.
  • Warum sind die meisten Boote aktuell so schmal konstruiert?
    Schmale Boote haben auf der Kreuz Vorteile, breite auf Vorwind- oder Raumwindkursen. Die aktuelle Regattapraxis bevorzugt „Up and down“, Dreiecke findet man eher selten. Dadurch sinken die Anteile der für breitere Boote vorteilhaften Kurse und steigen die für schmale.
  • Wie lang muss/darf eine RG-65 tatsächlich sein?
    Das ist in der Klassenregel definiert. Die Länge eines Bootes berechnet sich aus Rumpflänge (650 mm +/- 5 mm) und Dicke des Bumpers (5 mm +/- 1 mm). Daraus ergibt sich inklusive Bumper eine Minimallänge von 649 mm (645 mm + 4 mm) und eine Maximallänge von 661 mm (655 mm + 6 mm).
  • Gibt es eine optimale Länge des Kiels?
    Nein und ja. Nein, weil die optimale Länge des Kiels u.a. vom Wind und der Rigghöhe/-form abhängt. Ja, weil sich inzwischen eine Art Mittelwert gefunden hat, der ein guter Kompromiss für die meisten Bedingungen zu sein scheint: um 280 mm +/- 20 mm Profillänge zwischen Rumpfboden und Ballastoberseite.
  • Warum werden fast alle RG-65 Segel aus mehreren Segmenten geklebt?
    Beim Kleben der Nähte kann man der zweidimensionalen Folie eine dreidimensionale Form geben, die der eines Flügels nahe kommt. Diese aerodynamisch günstigere Form bewirkt eine größere Vortriebskraft des Segels.
  • Wie schwer sollte ein konkurrenzfähiges Boot „ready to race“ ungefähr sein?
    Um 1.000 g ist ein guter Wert, bis ca. 1.200 g noch akzeptabel, darüber wird es schwer vorne mitzusegeln.

… zum Bau von RG-65 Booten

  • Wie kann ich Deck und Rumpfschale aus GFK miteinander verbinden?
    Indem ich in der Schale innen an die Kante rundum eine 2 – 3 mm Balsaleiste klebe, plan schleife, mit Lack gut versiegle und dann mit Epoxy-Kleber das Deck aufklebe.
  • Warum müssen Holzteile auch im Rumpf versiegelt werden?
    Weil Feuchtigkeit im Rumpf nie auszuschließen ist, dadurch das Holz quillt und z.B. die Rumpf-/Deckverklebung sprengen könnte.
  • Wie kann ich Holz versiegeln?
    Das geht z.B. mit Parkett- oder auch Bootslack. Ich nutze immer wasserlöslichen Lack für mindestens drei dünne Schutzanstriche.
  • Wie kann ich Ballast und Kielschwert verbinden?
    Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Die wichtigsten: Mit einer Schraubverbindung von unten oder verkleben mit Epoxy o.ä.. Ich bevorzuge letzteres. Sauber ausgeführt hält es sicher.
  • Wie kann ich einen verklebten Ballast wieder vom Schwert trennen?
    Die Verklebung mit Epoxy oder z.B. UHU-Endfest in gut warmen Wasser gründlich erwärmen. Dann sollten sie sich mit etwas Kraft auseinander ziehen lassen.
  • Fittings, Beschläge, Ösen & Haken – muss man die kaufen?
    Nein, die meisten nicht. Ösen & Haken lassen sich z.B. gut aus 0,8/1,0 mm Schweiß- oder Dentaldraht biegen, viele Fittings und Beschläge mit einem 3D-Drucker herstellen. Entsprechende STL-Dateien gibt es inzwischen reichlich.
  • Wie kann ich beim Swing-Rigg einfach einen Mast verlängern?
    Der Mast wird üblicherweise einfach über dem Mastkreuz auf den dort nach oben ragenden Mastfuss gesteckt. Sofern dieser lang genug ist, einfach ein passendes Röhrchen in der gewünschten Länge aufstecken und darüber wieder den Mast setzen.
  • Wo bekomme ich die Baumaterialien her?
    Eine große Hürde für viele Einsteiger, denn Google & Co. geben da nicht allzu viel her. Infos kann man im Forum erhalten und m.E. ganz wichtig durch den persönlichen Kontakt mit anderen RG-Seglern z.B. bei Regatten. Eine gute Quelle sind manchmal auch Linksammlungen, wie z.B. diese hier.
  • Welche grundsätzlichen Baumethoden gibt es?
    Klassisch: Planken auf Spanten. Aktueller:Laminieren einer faserverstärkten Rumpfschale über einer Positivform oder in einer Negativform. Ganz aktuell: Fertigung eines fast kompletten Bootes mit einem 3D-Drucker.
  • Warum hat die Ruderachse meist 3 mm Durchmesser?
    Weil fast alle zu kaufende Ruderarme für diesen Durchmesser ausgelegt sind.
  • Warum sollten Rudergestänge und -achse nicht aus Carbon-Rundstäben gefertigt werden?
    Diese sind zwar leicht, da sie aber gezogen (pultrudiert) sind können sie bei ungünstiger Belastung zerbröseln.
  • Wie kann ich Segeln beim Verkleben eine dreidimensionale Flügelform verleihen?
    Durch Einsatz dafür bestimmter Werkzeuge. Die bekanntesten sind: die „Schildkröte“, das „Claudio Gadget“ oder die „Gurkenzange“. Alle drei nutzen als Arbeitsprinzip die Verklebung einer „gebogenen“ Segmentkante mit einer geraden zum Erlangen eines Flügelprofils. Ich nutze das Gadget.
  • Gibt es einen preiswerten Ersatz für teure Takelschnur?
    Geflochtene Angelsschnur aus den Anglerbedarf. Es gibt sie sogar in diversen Farben, sie sollte mit mindestens 25 kg belastbar sein und 8-fach geflochtene Schnur ist besser als 4-fach geflochtene.
  • Warum werden bei manchen Booten dünne Gummischnüre in die Schot verbaut?
    Diese Schnüre halten die Schotschnur unter Deck straff, damit sie sich dort nicht verheddert. Beim Einsatz einer Schnurtrommel ist sie unverzichtbar, da sie ein ein sauberes Auf- und Abwickeln der Schnur auf der Trommel gewährleistet.
  • Gibt es einen preiswerten Ersatz für teure Gummischnur?
    Ja, ebenfalls aus dem Anglerbedarf. Silikonschnüre!
  • Wie kann ich preiswert die Elektrik an- und ausschalten?
    Einfach eine kurzgeschlossene Miniatur-Steckverbindung (z.B. JST BEC Stecker / Buchse 2 Pin) in eine Ader der Spannungsversorgung einschleifen.
  • Wie erkenne ich einfach am geschlossenen Boot, ob die RC angeschaltet ist?
    Einbau einer kleinen LED mit Vorwiderstand und Anschluss an die Spannungsversorgung zum Empfänger.
  • Welches Material für Bumper?
    Mit Baumarkt-Silikon Bumper in Negativ-Form fertigen, aus Hartschaum (Baumarkt) schnitzen und schleifen, mit TPU drucken.
  • Material für Haken & Ösen?
    Schweißdraht oder Dentaldraht, 0,8 oder 1,0 mm.

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