Mastfuß und -lager für Swing-Riggs

Als ich mit Bootbauerei anfing, standen vor allem die großen Dinge wie Rumpf, Rigg oder RC ganz oben auf meiner Agenda des noch zu Ergründenden. Doch inzwischen rücken die Tipps und Tricks bei den Details zunehmend in den Fokus – wie z.B. für Mastfuß und -lager am Swing-Rigg. Ich fahre ausschliesslich Swing-Riggs. Auch hier führen unterschiedliche Wege zu einer akzeptablen Funktion. Die mir inzwischen bekannt gewordenen möchte ich hier kurz vorstellen.

Masttasche, Mastfuß- und Mastlager des Swing-Riggs haben m.E. folgende Aufgaben:
– Das Rigg mit dem Rumpf verbinden,
– so die Windkraft auf diesen übertragen,
– es in einer definierten Position zu halten
– und eine leichte Rotation des Riggs ohne spürbares Spiel sicher zu stellen.

Die Verbindung von Swing-Rigg und Rumpf erfolgt meist in einer rechteckigen oder ovalen Masttasche, seltener in einem kreisrunden Loch. Die Masttasche ist nur vom Deck her zugänglich und zum Bootsinnern wasserdicht abgeschlossen.
In der Masttasche befindet sich das Mastlager uns in diesem rotiert das untere Ende des Riggs, der Mastfuss. Dieser besteht meist aus einem 6×4 mm Carbon-Rohr.
Warum die meist längliche Form der Masttasche? In ihr kann das Rigg auf der Längsachse der Rumpfes versetzt werden. Das Boot kann so bezüglich Luv- oder Leegierigkeit getrimmt werden. Wie das Versetzen jedoch geschieht hängt von der Lagerung des Riggs ab und für das Lager sind mir bisher folgende Möglichkeiten bekannt geworden:

Mastlager mit Kugellagern

Dies besteht aus zwei unbedingt rostfreien Miniaturkugellagern in einer Hülse, in denen der Mastfuß rotiert. Die Hülsen sind oft aus 12x10x1 mm Alurohr aus dem Baumarkt, die Kugellager 10×6 mm (das obere mit Bund, das untere ohne) und der Mastfuß aus besagtem 6 mm Carbonrohr. Diese Dimensionen scheinen bei dieser Bauart ein Quasi-Standard zu sein.
Die dazu passende Masttasche misst z.B. 20×12 mm. Die Längsposition der Hülse in der Masttasche kann mit wasserfesten Distanzstreifen unterschiedlicher Stärke exakt definiert werden. Deshalb präferiere ich hie rechteckige statt ovaler Masttaschen. Eine korrekt montierte Lagerhülse sollte weder in Längs-, noch in Querrichtung spürbares Spiel haben.

Die Frage ist, was mache ich mit dem unteren Ende des Mastfußes, damit eine leichte Rotation gewährleistet ist?
Bei dieser Art des Lagers würde ich zunächst einmal immer einen glatten und harten Boden der Masttasche bevorzugen. So erhalte ich mir die de facto „stufenlose“ Verstellbarkeit des Lagers mittels der Distanzstreifen. Hätte ich hier Bohrungen für ein Lager, wäre dies nicht mehr gegeben.
Darauf kann dann das Mastfußende stehen. Die leichte Rotationsfähigkeit wird mittels einer Art „Drucklager“ sicher gestellt. Auch dafür gibt es wieder diverse Möglichkeiten, z.B.:

  • Man dreht sich aus Metall passende Spitzen mit rundem Kopf und klebt diese in den Mastfuß ein. Vermutlich für die meisten mangels Drehbank kaum umsetzbar.
  • Mit Sekundenkleber eine genau passende Kugellagerkugel (z.B. aus alten Fahrradlagern) einkleben. Hat bei mir in mehreren Riggs bisher bestens funktioniert.
  • Einen kleinen Passring drucken, über den Stift eines Niro-Blindniets schieben, diesen passend abbrechen und alles im Mastfuß verkleben. Der Niet ragt ggf. minimal über das C-Rohr und muss am besten vor dem Einkleben rundum abgeschliffen werden.
    Wichtig: Die Einbautiefe des unteren Kugellagers (normal ca. 5 mm) hängt dabei von der Länge des Niets ab. Die sichere Lagerung des unteren Endes des Mastfußrohrs muss gewährleistet sein.
  • Man druckt sich einen genau passenden Stopfen, in den man einen rund gefeilten 2 mm Metalldorn klebt.

Eine weitere, sehr interessante Möglichkeit funktioniert ganz ohne unteres „Drucklager“. Hier „hängt“ der Mastfuß in den Kugellagern und berührt nicht den Boden der Masttasche.
Dafür drucke ich Distanzringe mit 0,8 mm Wandstärke und 2 bzw. 3 mm Höhe. Die werden auf den Mastfuß aufgeschoben und liegen dann auf dem inneren Ring des oberen Kugellagers auf. Der Mastfuß rotiert so sehr leicht in den Lagern.
Wichtig ist ein exaktes Justieren bei der Montage. Bei mir sind Mastkreuz und Stopper der Mastsicherung eine Einheit. Zur Montage schiebe ich das Kreuz auf das Mastfußrohr, darunter einen oder zwei Distanzringe. Dann stecke ich alles durch den Mastschieber in die eingebaute Lagerhülse und schiebe den Fuß bis zum Taschenboden herunter. Ich drücke das Kreuz auf das Lager und ziehe das Rohr anschließend 2 – 3 mm wieder aus dem Kreuz heraus, so das es frei hängt. Das Ganze muss muss nun leicht auf und in den Lagern rotieren. Dann wird alles vorsichtig heraus gezogen und Kreuz und Ringe mit dem Rohr verklebt.
Dazu ziehe ich zunächst nur die Ringe gaaaanz vorsichtig ein paar Millimeter herunter und träufle vorsichtig dünnflüssigen Sekundenkleber mit einer feinen Holzspitze auf die Kontaktstellen Kreuz/Rohr, erst oben, dann unten. Osmose zieht dann genügend Kleber hinein. Sobald der Kleber unten aufgetragen ist werden die Ringe sofort wieder hoch geschoben – aber ohne die Position des Kreuzes auf dem Rohr noch einmal zu verändern – sofern dies dann überhaupt noch möglich wäre. Diese Art der Lagerung bevorzuge ich inzwischen bei meinen in Kugellagern gelagerten Riggs.
3D-druckbare Mastkreuze für 5 mm C-Rohr Bäume oder 1216er Alu-Pfeilschäfte und div. Fittings findet man übrigens hier.

Bei der Verwendung von Kugellagern sollte man beachten, dass diese eine pflegliche Behandlung erfordern. Reinigen, trocknen, ölen sollten nach jeder Nutzung erfolgen! Nach Gebrauch in Salzwasser zudem noch gründlich spülen.

Mastlager mit Gleitlagern

Diese funktionieren prinzipiell wie die mit Kugellagern, sollen aber aufgrund ihrer simplen Konstruktion weniger durch Störungen gefährdet sein und insbesondere in Salzwasserrevieren ihre Vorteile haben. Allerdings habe ich keine Ahnung, wie verschmutzungsresistent sie z.B. in sandiger Umgebung sind.
Selbst habe ich sie noch nicht ausprobiert, sie sollen aber gut funktionieren. Eine „hängende“ Lagerung ist jedoch nicht möglich.
Die filigranen Maße der Lager erlauben auch filigranere Masttaschen. Allerdings legt man sich dann auf diese Lagerart fest. Einbauen mittels einer Art Adapter in eine größere Kugellager-Masttasche dürfte dagegen jedoch kein Problem sein.

Mastlager ohne Lagerhülse

Dieses Bauprinzip ist mir mit Andy’s MantaEVO zuerst begegnet und, wie er sagt, soll es wirklich gut funktionieren. Bei meiner EVO wende ich es auch an.
Er steckt einfach den Mastfuß durch den Mastschieber in die Masttasche und sichert mit Flanschn und Kralle das Rigg. Unten wird er mit einem rundgeschliffenen Dorn (s.o.)in einer von zwei Bohrungen in Position gehalten, oben rotiert er im Loch des Mastschiebers. Mittels der Löcher und dem Schieber können Mastposition und sogar -neigung in weitem Umfang verstellt werden. Alles rotiert leicht und flüssig. Davon konnte ich mich erstmals bei der iDM 2019 überzeugen.
Auf jeden Fall ist dies die m.M. am wenigsten aufwändige Bauart und damit vermutlich auch die am wenigsten störanfällige.

Das Mastlager der EVO besteht eigentlich nur aus dem Dorn im Mastfuss und dem Mastschieber

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