Segel und Rigg – Man lernt nie aus!

Inzwischen habe ich schon einige Segel gebaut und auch mich auch mit anderen Segelbauern austauschen können – die Teilnahme an Regatten ist dafür ideal!. Dabei sind ein paar Erkenntnisse zusammen gekommen, die m.E. Bauprozess und Ergebnis verbessern. Die habe ich hier einmal kurz zusammen gefasst.

Claudios Gadget

Vor einiger Zeit hatte ich bereits etwas zum Segelbauen mit Claudios Gadget geschrieben. Das entsprach meinem damaligen Kenntnisstand und ist nach wie vor ok. Ich kenne aber inzwischen auch die ähnlich funktionierende „Gurkenzange“ oder die „Schildkröte“. Beide funktionieren durchaus gut, doch ich arbeite lieber mit dem Gadget weiter. Vielleicht auch einfach nur, weil ich mich mit dem Teil inzwischen recht gut eingearbeitet habe.
Was mir zudem sehr gefällt ist, dass ich beim Krümmen der Schiene die Wirkung auf der Segelfolie direkt wahrnehmen kann. Noch bevor ich das zweite Segment verklebe.
Inzwischen habe ich mir ein neues Gadget gebaut. Es ist deutlich handlicher und funktioniert besser als das alte. Es besteht jetzt aus einer 18 mm starken 400 x 150 mm Multiplex-Platte und einer passenden Doppel-U Schiene aus Kunststoff. Die lässt sich viel besser biegen als die Alu-Schiene und funktioniert genauso gut.

Mein neues Gadget mit Kunststoffschiene – handlicher und besser im Gebrauch

Für das Segelkleben hat sich inzwischen folgender Ablauf bei mir eingespielt. Hier in Kurzform:

1. – 1. Tape auf Schiene, Schiene an Winkeln fixiert
2. – Unter die Tape-Enden Papier
3. – 1. Segment anlegen und ausrichten, mit Krepp fixieren, nach hinten klappen
4. – Schutzpapier vom Tape abziehen, Segment auf Tape „fallen“ lassen, leicht anreiben
5. – Auf Tape-Enden Papier
6. – 2. Tape auf Segment, unter Tape-Enden Papier
7. – Krepp vom Segment entfernen – wichtig! Sonst wird das Segment verzogen
8. – Schiene mit Spacern (bei mir Spielkarten) entsprechend Tabelle krümmen
9. – im Segment befindet sich jetzt eine Welle, Schutzpapier vom Tape
10. – 2. Segment von oben ohne Spannung sauber aufkleben
11. – Spacer entfernen, Segmente abziehen
12. – 1. Tape gefühlvoll! abziehen
13. – Naht anreiben
14. – nächstes Segment
Liest sich nach viel Fummelkram, geht aber nach ein paar Segmenten recht flott.

Das 1. Unterlegpapier dient später primär dem leichten Lösen der zusammen geklebten Segmente von der Schiene da die Enden des Tapes von der Schiene getrennt sind.
Das 2. Unterlegpapier dient primär dem leichten Trennen der Enden der Tapes.
Das 3. Unterlegpapier dient auch dem leichten Trennen der Enden beider Tapes.
Alles andere wie bereits beschrieben.
Sollte das Abziehen des 1. Tapes nicht in einem Rutsch gelingen, auf keinen Fall mit einem Fingernagel o.ä. abzukratzen versuchen! Das führt zu einer unschönen Naht. Mit der Fingerspitze gefühlvoll rubbelnd „abrollen“ und ggf. wieder Abziehen versuchen.

Schnittschablonen

Die Dinger haben sich bei mir inzwischen absolut bewährt. Allerdings nutze ich jetzt welche, die an Vor- und Achterliek jeweils eine Zugabe von 20 mm haben. Hintergrund: So lassen sich Vor- und Achterliek nach dem Zusammenkleben der Segmente sauber zuschneiden.
Für die Achterliek lege ich dann das Segel nach dem Zusammenkleben auf die 1 : 1 Skizze, markiere den Liekverlauf auf den Klebenähten und schneide dann mit Stahllineal und Cuttermesser sauber die Liek.
Bei der Vorliek gehe ich etwas anders vor. Die Fock habe ich bereits fertig gestellt, schlage sie am Rigg an und spanne dann das Rigg mit Vor- und Achterstag bis ich die gewünschte Mastkrümmung erhalte. Entweder gem. Schnittplan oder bei mir standardmäßig für A ca. 6 mm, B ca. 5 mm und C ca. 4 mm Tiefe.
Ich lege den Mast auf das an Top und Hals mit Krepp fixierte Segel und richte den Baum mit ca. 10 mm Abstand von der Unterliek und den Mast an Top und Hals an den entsprechenden Markierungen aus.
Nun wird noch das Schothorn soweit angehoben, dass das Segel einen schön gleichmäßigen Bauch aufweist. Das Schothorn wir an einem geeigneten Gegenstand fixiert.
Jetzt markiere ich den Mastbogen auf dem Segel und schneide dann mit einem Rollmesser entsprechend die Vorliek. So erhalte ich eine passgenaue Vorliek zum gekrümmten Mast. Jetzt kann ich auch die Groß fertigstellen.

œSchnittschablonen nutze ich schon von Beginn an. Hier noch ohne Zugabe an der Achterliek

Beschriftungsschablonen

Für alle Beschriftungen besitze ich jetzt gut funktionierende Beschriftungsschablonen. Zum Beschriften benutze ich Edding 3000 (schmal) und 3300 (breit) in unterschiedlichen Farben. Von Mylar-Folie lässt sich Edding mit Alkohol bei mir rückstandfrei wieder entfernen.
Bei einem Teil der Schablonen reichte die Anfasung nicht aus und und es lief Tinte unter die Schablone. Das führte zu unsauberen Ergebnissen. Unter diese Schablonen habe ich 1 mm Distanzplättchen geklebt. Nun funktioniert es einwandfrei. Inzwischen konstruiere ich die Schablonen entsprechend.

Bei Regatten hatte ich manchmal Mühe, bei großer Wuhling mein Boot im Getümmel im Auge zu behalten. Deshalb habe ich ich noch ein mehrfarbiges Logo, abgeleitet von dem meines „Plünnenkreuzer“, für die Groß entworfen. Die Klassenregel lässt dies m.E. zu und mein Segel ist jetzt besser erkennbar.

Diese Schablonen nutze ich derzeith

Verstärkungen

Dafür verwende ich jetzt selbstklebendes Icarex statt Nummerntuch. In meinem Drachenshop erhalte ich es in viel größerer Farbauswahl und es ist auch nicht so steif wie das Nummerntuch. Ob es auch stabil genug ist muss sich zeigen.
Ich fertige die Verstärkungen inzwischen z.T. auch kleiner, jeweils orientiert an der aufzunehmenden Last.

Die Verstärkungen sind jetzt nicht nur aus selbstklebendem Icarex, sie fallen inzwischen auch dezenter aus

Rigg-Veränderungen

Ich bin jetzt, wie hier berichtet, auf Swing-Riggs mit Bäumen aus 1816er Pfeilschäften und Babybaum umgestiegen. Damit hat sich auch das Takeln der Segel etwas verändert. Die Fock wird jetzt direkt am Fockbaum und am Babybaum angeschlagen und nicht, wie bisher, am Pendelbaum. Das Schothorn von Fock und Groß wird inwischen wie abgebildet angeschlagen, da ich so Bauch und Twist mit exakt definierte Schothornposition besser trimmen kann. Der bisherige Anschlag funktionierte zwar, aber nicht so gut, wie erwünscht.

Neue Riggs mit Bäumen aus Pfeilschäften und Babybaum an der Fock

Rigg-Spannung

Swing-Riggs haben m.E. zwei große konstruktive Vorteile: Sie lassen sich schnell und einfach auf dem Boot montieren/demontieren und sie können mit ihrer optimalen Trimmung, also gespannt gelagert werden.
Doch nicht ganz. Die Vorliek der Groß sollte bei Nichtgebrauch immer entspannt werden, denn durch fortwährenden Zug können die Nähte langsam auseinander gezogen werden.
Wenn ich also das Boot nach dem Segeln abstelle oder das Rigg wechsle, dann entspanne ich deshalb immer am Hals die Vorliek der Groß. Der Trimm bleibt dabei ja im Wesentlichen erhalten.

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