„Pfeilschnelle“ Swing-Riggs

Bisher habe ich meine Swing- Riggs ganz einfach mit Mastkreuz und Bäumen aus Carbon-Rohren gebaut. Die funktionieren durchaus gut. Mich störte aber immer, dass die Bäume nicht die optimale, leicht geknickte Form hatten, die sich den Unterlieken anpasst und wo das Großbaumende bei Schräglage nicht so schnell durchs Wasser streift. Die dafür verwendeten Techniken wie z.B. Fräsen aus Carbon-Sandwich waren mir nicht zugänglich und so elegant fand ich diese Teile letztlich auch nicht. Dann stieß ich im Forum auf den Thread mit den Pfeilschäften und wusste, das ist die Lösung!
Und wie der Zufall es wollte hatte bei der diesjährigen iDM jemand Interesse an meinen Riggs und so stand ich plötzlich ohne Besegelung für meine OEG 65 da. Eine gute Gelegenheit nicht nur gleich was Neues zu bauen, sondern auch das derzeit m.E. Beste vom Besten.

Meine neuen Riggs für die OEG 65 bestehen also jetzt aus folgenden Materialien:

  • Mast – Skyshark 7PT (konisch, gewickelt)
  • Bäume – Easton Jazz Pfeilschäfte 1816
  • Mastkreuz – gedruckt, 7° Steigung, Eigenentwurf
  • Babybaum – gedruckt, Modell Andy Hoffmann
  • Druckstange – Carbon-Rohr, 2 x 1 mm
  • Mastausleger – Eigenentwurf
  • Mylar-Folie – 35 – 50 μ
  • Icarex – Vorstagtunnel
  • Icarex selbstklebend – Patches
  • Takelschnur – geflochtene Vorfachschnur aus dem Angelladen
  • div. Fittungs – geduckt (Andy Hoffmann, Eigenentwürfe)
  • div. Silikonringe – aus Schläuchen geschnitten
  • Einschlagösen, 2 mm
  • Segellatten – aus dicker Folie geschnitten

    Zunächst drucke ich erst einmal alles aus, was ich für den Bau meines Rigg-Satzes benötige.

Mastfuß und Mastkreuz an Mastlager und Sicherungsschieber anpassen

Mein Mastlager besteht aus einer 12 x 10 mm Aluröhre mit zwei Kugellagern 10 x 6 mm. Das obere liegt mit einem Bund auf, das untere ohne Bund ist ca. 5 mm eingelassen. Bisher rotierten meine Riggs mittels einer ins untere Ende eingelassenen Kugel auf dem Boden der Masttasche.
Bei der neuen Konstruktion „hängt“ der Mastfuß nur noch im Mastlager und sitzt dabei mit einem Distanzring einzig auf dem Innenring des oberen Lagers auf. Dies ermöglicht eine extrem leichtgängige Rotation bei weniger Konstruktionsaufwand.

Zunächst wird einfach das Mastkreuz auf den 6 mm Carbon-Fuß gesteckt und durch den Schieber in das Lager bis zum Masttaschenboden geschoben. Wichtig: Unbedingt darauf achten, das der Fuß nicht nur auf dem unteren Lager aufsitzt sondern tatsächlich hindurch führt. Das Mastkreuz auf dem Fuß so positionieren, dass es frei im Schieber rotieren kann. Nun den Fuß 2 – 3 mm durch das Mastkreuz nach oben ziehen. Der Fuß muss jetzt frei in den Lagern hängen und leicht rotieren. Wird er nach oben gezogen darf er nicht aus dem unteren Lager rutschen.
Sollte der Distanzring unter dem Mastkreuz nicht ausreichend lang sein, können zusätzliche Ringe in 2 oder 3 mm Länge aufgeschoben werden.
Wenn alles passt verklebe ich das Mastkreuz mit etwas dünnem Sekundenkleber, den ich mit einer Holzspitze unten und oben aufbringe. Durch Osmose wird der Kleber zwischen Kreuz und Fuß hineingezogen, was für eine ausreichende Verklebung sorgt. Zusätzliche Distanzringe werden nicht extra verklebt sondern lediglich nach dem Aufbringen des Klebers sofort wieder in ihre Position geschoben.

Die Mastkreuze auf den Fotos besitzen noch keine eigenen Distanzringe. Dies ist erst bei späteren Versionen der Fall.

Bäume anfertigen und einsetzen

Zunächst schneide ich Fock- und Großbaum ca 5 cm länger ab, als später vermutlich benötigt. Für einen sauberen Schnitt nutze ich einen Mini-Rohrschneider.
Dann biege ich die Bäume mit der Biegelehre, die Andy freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Den Fockbaum nur ganz leicht, den Großbaum in etwa der Unterliek der Groß angepasst. Die gebogenen Bäume klebe ich dann mit Sekundenkleber in das Mastkreuz ein und achte darauf, dass die Biegungen in einer Ebene mit dem Mastfuss liegen.

Babybaum einsetzen

Zunächst einmal schneide ich ca. 300 mm 2 x 1 mm Carbon-Rohr für die Druckstange ab und biege aus 0,8 mm Schweißdraht kleine „Z“ für die Lager der Druckstange und des Babybaums.
Nun ermittle ich zunächst die Position des Lagers für den Babybaum. Das hintere Ende sollte sich dabei so nah wie möglich am Mast befinden (bei mir ca. 5 mm), aber alles noch frei vor dem später leicht gebogenen Mast pendeln können. An der Position des Lagers bohre ich ein 1 mm Loch exakt oben auf dem Fockbaum. Sollte sich die Bohrung nicht genau dort befinden, kann das zu unterschiedlichen Ausschlagwinkeln des Babybaums führen.
Ich schiebe dann den z-förmig gebogenen Lagerdraht in das Lagerloch und dann in den Babybaum. Die Länge des Drahtendes im Fockbaum (und später auch im Mast) hat Einfluss auf die Größe des Pendelwinkels. Ist sie zu groß, ist der Winkel zu klein. Also langsam heran tasten. Es gilt: So lang wie möglich und so kurz wie nötig.
Mit eingestecktem Babybaum und provisorisch in diesen eingesteckter Druckstange ermittle ich nun die Position der Bohrung für das Druckstangenlager. Die habe ich, wenn der Babybaum etwa waagerecht über dem Fockbaum steht. Ich bohre das 1 mm Loch in den Mast, führe den Z-Draht zunächst in den Mast, dann in die Druckstange ein, verklebe ihn in letzterer und diese dann in dem Babybaum Jetzt ist alles montiert und ich teste die geforderte Freigängigkeit.
Im Babybaum habe ich den Draht nicht eingeklebt. So kann ich das Konstrukt bei Bedarf leicht demontieren oder montieren. Ob das beim Segeln so funktioniert muss ich noch testen.
Auf jeden Fall besticht Andy’s Konstruktionsidee durch funktionale Schlichtheit – KISS, „keep it simple keep it smart“ in Reinkultur. Ich habe versucht, sie so gut wie mir möglich nachzubauen.

Fittings

Nun werden alle Bäume mit Fittings versehen, die z.T. mit Silikonringen in Position gehalten werden.
Am Fockbaum benötige ich den Anschlag für Vorstag und Vorliek der Fock sowie für die Trimmung der Schot.
Am Babybaum den Anschlag der Achterliek mit Trimmung von Bauch und Twist der Fock.
Am Großbaum den Anschlag der Vorliek mit Trimmung, den der Schot und den der Achterliek mit Trimmung des Bauches und des Twists der Groß. Dann noch den Anschlag für das Achterstag.
Bei mir gilt inzwischen: Soviel Fittings wie nötig, aber so wenig wie nur möglich. So habe ich z.B. bisher alles mögliche mit Bowsies verstellt, jetzt verstelle und halte ich fast nur noch mittels Silikonringen. Bowsies können sich nach meiner Erfahrung leichter lockern. Wie ich es jetzt mache, ist es zudem übersichtlicher. Bowsies verwende ich nur noch bei Vor- und Achterstag sowie am Fockfall.
Falls doch einmal die Belastung der Silikonringe zu groß zu werden droht, kann ich sie einfach durch aufclipsen – und später ebenso einfachem Entfernen – zusätzlich sichern.

Mastausleger

Die Mastausleger baue ich weiterhin nach bewährtem Prinzip wie hier beschrieben. Zum Takeln schiebe ich sie einfach in das Masttop. Auf den Arm schiebe ich zwei Silikonringe zur Sicherung des angeschlagenen Segels sowie des Achterstags.

Aufhängung Vorstag und Fock

Für deren Anschlag biege ich einen kleinen Haken aus 0,8 mm Schweißdraht, der in ein 1 mm Loch im Mast eingehängt wird. Das ist einfach und hat sich bewährt. Keep it simple keep it smart!

Anschlag der Fock

Ich bringe, soweit noch nicht geschehen das Achterstag an und spanne es leicht.
Dann beginne ich mit der Fock und befestige zunächst das Vorstag am Fockbaum. Oben fädle ich einen Bowsie ein, hänge die Schnur in den Haken und verknote den Bowsie so, dass ich späterin beide Richtungen guten Verstellspielraum habe.
Als nächstes schlage ich die Fock am Fockbaum an. Und zwar so, dass die Unterliek sich nah am Babybaum befindet, sich aber frei bewegen kann. Oben hänge ich es in gleicher Weise wie das Vorstag ein. Am Achterliek knote ich nun unten eine Schnur ein und führe sie durch den hinteren Silikonring auf dem Babybaum zum vorderen und verknotete sie dort. Diese Schnur dient dem Trimmen des Twists. Durch Verschieben des des hinteren Rings kann der Bauch verändert werden.
Zuletzt wird die Schot im dafür vorgesehenen Loch befestigt im Babybaum verknotet, durch eine Öse am Fockbaum gezogen und dann an einem Silikonring befestigt.
Jetzt spanne ich noch die Stags, bis die später gewünschte Mastkrümmung erreicht ist. Wenn die Fock immer noch frei und leicht pendelt, dann ist erst einmal alles in Ordnung.

Anschlag der Groß

Zunächst schlage ich bei nun gespanntem Rigg die Groß so am Top an, dass sich die Unterliek bei gestrafftem Segel ca. 15 mm über dem Großbaum befindet. Den Mast würde ich übrigens nur kürzen, wenn der Abstand zwischen Top und Ausleger erheblich zu groß sein sollte. Unten knote ich die Spannschnur für die Vorliek ein und führe sie durch die Öse im Kreuz zu einem Silikonsring an dem ich sie verknote.
An die Schot knote ich einen kleinen Metallring als Gegenpart für den Knebel, ziehe sie durch eine Öse und verknote sie mit einem Silikonring. Die Öse ist durch zwei Silkonringe auf dem Großbaum fixiert. Schot sollte im Betrieb genau so lang sein, das sie bei Servohebel in vorderster Stellung den Baum mittschiffs hält, aber ohne am Servo zu zerren.
Nun bleiben noch die beiden Trimmschnüre für Bauch und Twist. Hier hatte ich bei der iDM 2019 eine Lösung gesehen, die mich überzeugte. In modifizierte Form verwende ich sie jetzt auch. Ich beschreibe sie einmal vom Baumende her: Schnur an ersten Silikonstellring knoten, durch die Baumöse ziehen, in der Segelöse verknoten. Schnur am zweiten Silikonstellring verknoten und analog weiter. Auch diese Öse wird durch zwei Silikonringe auf dem Großbaum fixiert. Diese Konstellation ermöglicht eine sehr präzise Einstellung von Bauch und Twist.
Zuletzt wird nur noch die Vorliek der Groß am Mast angeschlagen. Wenn das Segel vom Mast abgezogen wird, sollte sich zwischen Mast und Vorliek ein Spalt von ca. 1 mm befinden. So ist sicher gestellt, dass das Segel problemlos am Mast rotieren kann.

Bis jetzt bin ich sehr zufrieden mit dem neuen Rigg. Ich habe es von einigem Ballast befreit. Meine Erachtens ist ein performantes Rigg mindestens genau so wichtig für die Leistung einer RG-65, wie ein ausgefeilter Rumpf. Insgesamt habe ich das Gefühl, Fortschritte beim Bau dieser Teile gemacht zu haben.
Jetzt werden noch B- und C-Rigg gebaut.

Bin mal gespannt, wie sich das Teil auf dem Wasser bewährt …

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s