Takeln & Trimmen meines Swing-Riggs

Ein gut geschnittenes und gebautes Segel ist das eine, ein richtig getakeltes und optimal getrimmtes Rigg das andere. Was ich zu letzterem inzwischen gelernt und umgesetzt habe und womit ich derzeit meine Orion Edge fahre, möchte ich hier kurz einmal darstellen. Dies ist sicherlich nicht die Anleitung eines langjährigen Profis, sondern eher die Erfahrungen eines Einsteigers, der akzeptabel in einem Regattafeld mitfahren möchte. Besser geht immer!

Takeln der Orion

Meine Orion fahre ich mit Swing-Rigg mit einem Fockbaum und einen geraden Großbaum und darauf beschränkt sich dieser Bericht.
Es gibt allerdings Swing-Riggs mit anderen Konstruktionsmerkmalen wie z.B. mit geknicktem Großbaum und unterschiedlichsten Fockkonstruktionen wie mit Babybaum oder sogar ohne Baum.
Die einzigen Verbindungen des Riggs zum Rumpf sind der Mastfuß und die Schot. Dies bringt einige Vorteile gegenüber einem klassischen Rigg: Es kann bereits „vorgetrimmt“ schnell gewechselt werden.

Takelpunkte

Vorstag, Achterstag, Dirk

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Die fertig getakelte Orion. Der Top-Ausleger wird natürlich noch gekürzt …

Diese drei dienen der Stabilisierung des Mastes und dem Einstellen seiner Krümmung. Das Vorstag kann ganz normal aus Takelschnur oder, wie bei mir, aus ganz dünnem Drahtseil gefertigt werden. Wichtig für die einwandfreie Funktion der Fock ist, dass das Vorstag möglichst straff gespannt ist und die Fock leicht rotieren kann.
Bei Fertigung aus Takelschnur (Länge Vorliek plus ca. 200 mm) wird diese mit einem dünnen Draht durch den Tunnel der Vorliek der Fock gezogen und dann am unteren Ende ein kleines Auge eingeknotet. Am oberen Ende fädle ich noch einen kleinen Schieber ein, ohne ihn zu verknoten. Damit kann ich später das Vorstag einschieben. Als Schieber nutze ich welche für eine Dragon Force V6. Sie funktionieren sehr gut, man bekommt sie preiswert als Ersatzteile.
Bei der Version aus Drahtseil wird dieses durch den Tunnel gezogen und mit Quetschhülsen an beiden Enden des Tunnels kleine Augen angebracht. Die Befestigung am Top erfolgt dann später wieder mit einem Stück Takelschnur und einem Schieber. Am unteren Ende sollte ein ca. 10 mm langes Stück des Tunnels entfernt werden, damit die Unterliek so nah wie möglich am Fockbaum angeschlagen werden kann und dies nicht durch die Quetschhülse behindert wird.
Das Achterstag ist aus Takelschnur wird am Ende des Mastauslegers am Top befestigt. Am Großbaumende (Schothorn) befindet sich ein Haken aus 1 mm Schweißdraht, der von zwei Silikonringen fixiert wird. Die Schnur wird durch den Haken gezogen und ist ca. 100 mm länger. Auch hier wird zum Spannen ein Schieber eingefädelt.
Die Dirk besteht aus Takelschnur ebenfalls mit einem Schieber. Alles weitere wird beim Fockbaum erläutert.

Fock

Fock Top

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Von links: Vorstag, Segel, Dirk, alle drei mit Schiebern einstellba am Mast an einem Haken eingehängt. Die Dirk ist noch nicht gespannt, die Spannwege von der beiden anderen Schieber sind noch nicht optimal und werden noch geändert

Die Fock wird an einem Haken am Mast eingehängt. Dieser ist aus 0,8 mm Schweißdraht gebogen und in ein 1 mm Loch im Mast eingehängt. Der Mast besteht aus gewickelter Carbon-Faser. Er nimmt daher keinen weiteren Schaden und wird durch die Bohrung auch nicht erkennbar geschwächt.
In diesen Haken werden in dieser Reihenfolge die Dirk, die Fock und zuletzt das Vorstag eingehängt. In alle drei sind zur Verstellbarkeit Schieber eingefädelt.
Bei der Fertigung der Fock ist wichtig, dass Vorstag und die Befestigungsschnur an der Vorliek so nah beieinander verlaufen, damit die Fock leicht rotieren kann.

Fockbaum
Der Fockbaum besteht aus 4 mm Carbon-Rohr. Ab seinem vorderen Ende werden Vorstag und Fock eingehängt. Dafür klebe ich mit Sekundenkleber auf ein ca. 50 mm langes 2 mm Carbon-Rundprofil ein 5 mm langes Stück 4 mm Carbon-Rohr. Diese „Nadel“ schiebe ich in dieser Reihenfolge durch die kleine Endschlaufe des Vorstags, die kleine Takelschnurschlaufe der Vorliek und dann in das Rohr des Fockbaums. Wenn später alles gestrafft ist, ist diese Montage hinreichend sicher.

Die Dirk wird am anderen Ende des Fockbaums (Schothorn) befestigt. In ein hinreichend langes Stück Takelschnur (vom Baum bis zum Haken plus ca. 150 mm) knote ich an ein Ende einen Stoppknoten. Den Knoten schiebe ich in das Rohrende und drücke ihn mit einem ca. 20 mm langen und mit etwas Sekundenkleber bestrichenen 2 mm Carbon-Rundprofil bündig in das Rohr. In das andere Ende fädle ich dann noch einen Schieber ein ohne ihn zu verknoten

Anschlag des Fockbaums am Unterbaum. Die Fockschot ist verstellbar ebenfalls am Unterbaum angeschlagen. Mit dem kleinen Gummi (später direkt am Schieber) verhindere ich, dass sich der Schieber durch Bewegungen von selbst löst. Das scheint gut zu funktionieren. Vorne am Fockbaum sind Vorstag (man beachte den 10 mm Tunnelausschnitt) und Segel, hinten Segel und Dirk befestigt

Verbindung Fockbaum – Unterbaum
Bei meiner Art des Riggs ist der Fockbaum am Unterbaum befestigt und muss leicht von einer Seite zur anderen pendeln können. Dies erfolgt mit einer einfädigen Verbindung aus Takelschnur. Diese ist am Ende des Unterbaums angeschlagen und am vorderen Drittel des Fockbaums. Die Verbindung sollte max. 10 mm lang sein.

Groß

Groß Top
Die Groß wird am Topausleger des Mastes mit einfädiger Dyneemaschnur (Takelschnur) „aufgehängt“, damit sie leicht rotieren kann.

Groß Mast
Die Vorliek der Groß wird mit Takelschnur am Mast angeschlagen. Optimal ist dies wenn zwischen leicht abgezogenen Segel und Mast auf ganzer Länge ca. 1mm Raum bleibt.

Großbaum
Am Großbaum befinden sich alle Anschläge des unteren Bereichs der Groß sowie des Achterstags.

Der komplett getakelte Baum. Anschläge von links: Hals, Schot, Achterliek, Achterstag

Groß Hals
Die Vorliek wird an der Ecke Vor-/Unterliek (Hals) mit Takelschnur am Mast und am Mastkreuz angeschlagen. Der Anschlag am Mast soll verhindern, dass die Groß vom Mast weggezogen werden kann. Der Anschlag am Mastkreuz dient der Fixierung der Vorliek und der Einstellbarkeit ihrer Spannung. Die Takelschnur wird von oben durch ein Loch im Mastkreuz geführt, am Baum umgelenkt und mittels eines eingefädelten Schiebers verstellbar gemacht.

Der Anschlag am Hals ist verstellbar. Über ihn kann die Vorliekspannung eingestellt werden. Die Hals ist zudem am Mast angeschlagen

Großschot
Die Großschot ist über Schieber einstellbar und kann mittels eines Knebel-/Ringverschlusses vom Rumpf getrennt werden.

Dank des Schiebers und der Fixierungen aus Silikonschlauchringen ist sie sehr gut einstellbar

Achterliek
Die Achterliek ist insofern heikel, da hier ein doppelter Trimmpunkt vorhanden ist. Hier werden der „Bauch“ der Groß und auch ihr „Twist“jeweils über die Spannung der Unter- bzw. Achterliek eingestellt. Der Bauch in dem der Anschlagpunkt auf dem Baum verschoben wird, der Twist mit der Spannung der Achterliek.

Die Spannung der Achterliek und damit des Twists wird mittels des Schiebers eingestellt, der Bauch mit dem verschiebbaren Achterliekanschlags auf dem Baum

Alle Schiebereinstellungen an den Bäumen werden durch kleine Gummiringe gegen unbeabsichtigtes Lösen gesichert.

Erst zum Schluss sollte man ggf. noch einmal die Schieberpositionen korrigieren und erst dann alle überschüssigen Schnüre abschneiden. Die Knoten sichere ich jeweils mit einem winzigen Tröpfchen Sekundenkleber.

Trimmen der Orion

Hier stelle ich nur die grundsätzlichen Wirkungen der einzelnen Trimmpunkte dar. Ein wirklich guter Trimm kommt allerdings nur mit der optimal abgestimmten Gesamtheit aller Einzeltrimmungen zustande. Nach dem grundsätzlichen Wissen über die einzelnen Wirkungen spielt hier viel Erfahrungswissen über ihr Zusammenspiel unter den unterschiedlichsten Bedingungen eine große Rolle. Und das erwirbt man halt nur durch Segeln und immer wieder Testen. Da arbeite ich noch dran. Theorie ist die Pflicht, Praxiserfahrungen die Kür.

Mastposition
Meine Orion besitzt für den Mastfuß eine rechteckige Tasche. In dieser kann das Mastlager um 8 mm in Längsrichtung Millimeterweise verschoben werden. Dies geschieht mit unterschiedlich dicken Trimmstücken, mit denen das Mastlager in seiner Tasche fixiert wird.
Starten sollte man mit dem Mast in Mittelposition. Wenn das Boot unter leichter Brise neutral läuft, sollte man mit dieser Position erst einmal weiter arbeiten.
Neigt das Boot dazu in den Wind zu drehen, also „Luvgierig“ zu sein, sollte die Mastposition nach vorn verschoben werden.
Neigt das Boot dazu aus den Wind zu drehen, also „Leegierig“ zu sein, sollte die Mastposition nach hinten verschoben werden.
Es gilt: Mastposition je weiter hinten je größer die Tendenz nach Luv. Die Veränderung der Mastposition sollte im Millimeterschritten geschehen.

Mastkümmung
Luv- und Leegierigkeit werden darüber hinaus auch durch die Mastkrümmung beeinflusst. Je stärker die Mastkrümmung, also je mehr das Top nach hinten gebogen wird, je mehr neigt die Bewegungsrichtung in Luv.
Das Zusammenspiel beider Trimmungen hat also Einfluss auf die Gierungsneigung. Ich bevorzuge eine ganz leichte Luvgierigkeit.
Die Mastkrümmung wird über die Stags in Verbindung mit der Dirk eingestellt. Dabei ist wichtig, dass das Vorstag immer straff ist, denn nur dann kann die Fock gut funktionieren.
Die Grundtrimmung hat zunächst lediglich einen fast geraden Mast mit waagerechtem Fockbaum zum Ziel. Dazu werden zunächst beide Stags mittels ihrer Schieber straff gestellt. Der Mast sollte nun möglichst gerade stehen. Dann wird der Fockbaum waagerecht ausgerichtet. Dies geschieht durch korrespondierende Einstellung des Vorstags und der Dirk mittels ihrer Schieber. Wichtig ist, dass der Fockbaum dabei nicht durch zu straffes Anziehen an beiden Schnüren gebogen wird.
Sollte die Groß eine gerade Vorliek besitzen, kann erst einmal alles so bleiben. Sollte sie, wie bei meinen Segeln, bereits eine leichte Krümmung besitzen, dann sollte im zweiten Schritt die Mastkrümmung derart eingestellt werden, dass sie möglichst exakt der Krümmung der Vorliek folgt.
Auch bei dieser Einstellung werden die drei relevanten Schieber der Stags und der Dirk wieder korrespondierend bedient. Soll z.B. die Krümmung verstärkt werden wird zunächst der Vorstagschieber etwas geöffnet, dann der Achterstagschieber angezogen und dann der Vorstagschieber auch wieder angezogen. Dies solange bis beide Stags straff sind und die Mastkrümmung stimmt. Zuletzt wird noch der Fockbaum mittel Vorstag und Dirk so eingestellt, dass er parallel zu Unterliek der Fock ausgerichtet ist.
Es gilt: Die Tendenz nach Luv nimmt mit der Krümmung des Mastes zu

Fock Profiltiefe = „Bauch
Die Profiltiefe der Fock wird am Schothorn, also dem hinteren Ende des Fockbaums, eingestellt.
Dazu wird der Anschlag Achter-/Unterliek auf dem Baum verschoben.
Es gilt: Je stärker der Wind, je flacher das Profil. Je schwächer der Wind, je tiefer das Profil. Je weiter der Anschlag nach vorn geschoben wird je tiefer ist das Profil.

Fock Twist
Der Twist ist eine leichte Verdrehung des Segels im Top und soll die Vortriebseigenschaften des Segels verbessern. Sie wird mit der Dirk eingestellt.
Wenn die Achterliek der Fock bei in etwa waagerecht liegendem Fockbaum straff ist, dann hat die Fock nur geringen Twist.
Es gilt: Je stärker der Wind je geringer der Twist.

Fock Ausstellwinkel Baum
Swing-Riggs haben die besondere Eigenschaft, dass der Baum fast Mittschiffs gefahren werden kann und der Ausstellwinkel des Fockbaums geringer ist als beim klassischen Rigg.
Der Winkel wird am Unterbaum über die fest am Fockbaum angeschlagene Schot eingestellt. Ich habe erst einmal mit der Einstellung von einem Finger breit zwischen Fockbaum und Mast angefangen. Wenn das Boot mit beiden Segeln sauber hoch am Wind läuft ist der Trimm erst einmal in Ordnung. Optimierungen kommen später.
Es gilt: Ein möglichst flacher Ausstellwinkel ermöglicht Kurse hoch am Wind.

Groß Vorliekspannung
Die Vorliek der Groß sollte leicht straff sein und der Hals sich so nah wie möglich am Mastkreuz befinden. Eingestellt wird dies mit dem Schieber am Mastkreuz.
Es gilt: Die Vorliek sollte nicht lose sein.

Groß Profiltiefe
Bezüglich der Profiltiefe gilt das für die Fock gesagte. Sie wird durch Verschieben des Achterliekanschlags am Schothorn des Großbaums eingestellt.
Es gilt: Je stärker der Wind, je flacher das Profil. Je schwächer der Wind, je tiefer das Profil. Je weiter der Anschlag nach vorn geschoben wird je tiefer ist das Profil.

Groß Twist
Auch bezüglich des Twists gilt das für die Fock gesagte. Eingestellt wird der Twist über Achterliekspannung mit einen Schieber am Ende des Großbaums. Zu beachten ist, das die Einstellung der Profiltiefe und des Twists miteinander korrespondieren. Das erfordert einige Aufmerksamkeit.
Es gilt: Schwacher Wind Schieber öffnen = größerer Twist, Starker Wind Schieber anziehen = geringer Twist.

Ausstellwinkel Großbaum
Wie bereits angesprochen kann dieser Winkel sehr flach eingestellt werden. Eingestellt wird der Winkel über die Großschot mittels eines Schiebers in der Mitte des Großbaums.
Es gilt: Der Ausstellwinkel des Großbaums sollte so flach eingestellt werden, dass das Boot noch sauber mit beiden Segeln hoch am Wind laufen kann ohne zu „verhungern“.

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