#15 Projekt Orion Edge 65 – Auftakeln

Sah die Orion bis jetzt mehr oder weniger wie eine Baustelle aus, so änderte sich dies mit dem heutigen Auftakeln in ganz erheblich. Zum ersten mal sah das Boot am Ende des Tages tatsächlich fast wie ein richtiges RC-Rennsegelboot aus. Ein gutes Gefühl!

Das Auftakeln begann ich mit der Fock. Zunächst knotete ich in das obere Auge des Vorstags und die obere Öse Tackelschnüre und sicherte die Knoten, wie alle noch folgenden, mit einem Tröpfchen Sekundenkleber. Dann schnitt ich als Fockbaum ein Stück 4 mm CFK-Rohr, ca. 40 mm länger, als die Fockunterliek, sowie ein ca. 40 mm langes Stück 2 mm CFK-Rundstab ab.
Die Fock befestigte ich dann mit zwei Haken in den Ösen und dem unteren Auge des Vorstags am Baum. Diese Haken, wie auch alle anderen, bog ich aus 0,8 mm Schweißdraht. Der vordere musste über den 2 mm Rundstab passen, der hintere über das 4 mm Rohr. Auf den Baum schob ich zunächst 4 stramm sitzende Ringe aus Silikon (Abschnitte von einem passenden Schlauch) auf. Zwischen jeweils zweien befestigte ich mit ein paar Windungen zwei ca. 300 mm lange Abschnitte Takelschnur. Eine sollte später der Befestigung am Unterbaum dienen, die andere als Fockschot verwendet werden.

Die Montage des Fockbaums

Silikonringe haben den großen Vorteil, dass sie jederzeit auf dem Baum justierbar sind und doch recht fest sitzen. Dann schob ich auf ein Ende des 2 mm Rundstabs ebenfalls einen etwas breiteren Silikonring als Rutschsicherung für das Vorstag auf, schob den Stab durch Vorstagauge und den vorderen Haken in das Rohr des Baumes. Auf das andere Ende schob ich wieder einen Silikonring, dann den hinteren Haken, hängte ihn ein und schob noch ein Ring auf. Da der Haken auf dem Baum beweglich ist, kann mit ihm später die „Bauchigkeit“ der Fock trimmen. Damit war die Fock an ihrem Baum angeschlagen.

Befestigung von Vorstag und Vorliek am Fockbaum (die CFK-Rundstange ist etwas ausgezogen) und des Fockbaums am Unterbaum
Montage der Fockschot ”

Im nächsten Schritt ging es darum, den Fockbaum am 5 mm CFK-Rohr des Unterbaums des Swing-Riggs anzuschlagen. Zunächst schob ich auf den Unterbaum einen Baumbeschlag mit Queröse, zwei Silikonringe, wieder einen Baumbeschlag und am vorderen Ende noch einmal zwei Silikonringe. Zwischen diesen Ringen befestigte ich nun erneut mit ein paar Windungen den Fockbaum am Unterbaum (Abstand max. 15 mm). Die Baumbeschläge passen genau über das 5 mm Rohr und stammen, wie auch die nachfolgend erwähnten „Bowsies“, aus dem Ersatzteilfundus meiner Dragon Force 65.
Die Schot fädelte ich zunächst durch den vom Mast entfernten Baumbeschlag, dann durch zwei Löcher eines kleine Schiebers (Bowsie), durch den Baumbeschlag nahe dem Mast und wieder zurück durch das dritte Loch des Schiebers. Da alles erst später genau eingestellt werden sollte, ließ ich ließ ich noch etliche Zentimeter Schnur dran, schnitt den Rest ab und sicherte die Schnur am Ende mit einem mehrfachen Knoten.

An den oberen Schnüren brachte ich zunächst wieder Schieber an und zog die Fock am Mast nach oben. Auf diese Weise ermittelte ich den Sitz der des oberen Anschlags der Fock am Mast. Die Schnüre hängte ich, einem Tipp aus dem Forum folgend, an einem Haken ein, der selbst wiederum in ein 1 mm Loch im Mast eingehängt wurde. Auch diesen Haken fertigte ich wieder aus 0,8 mm Schweißdraht. Zuletzt stellte ich alle drei Schieber derart ein, dass die Fock ordnungsgemäß am Mast hing und die Schot hinreichend einstellbar war. Das Optimum sollte sein, dass die Schieber bei ordnungsgemäß eingestellter Fock Einstellmöglichkeiten in beide Richtungen ihres jeweilig möglichen Stellweges besitzen. Nachdem die Sicherungsknoten geknotet waren schnitt ich die Schnurüberschüsse ab.

Vorstag und Focktop sind am Mast eingehängt. Der Haken hängt einfach in einem Loch im Mast

Nun war die Groß dran. Zunächst knotete ich wieder ca. 300 mm lange Abschnitte Takelschnur in die Einschlagösen ihrer Vorliek. Dann schob ich auf den Großbaum zunächst einen Silikonring, dann einen Baumbeschlag. Dort sollte später die Vorliek angeschlagen und getrimmt werden.
Dann kamen ein Ring, ein Beschlag, wieder zwei Ringe und noch ein Beschlag. Hier sollte später die Großschot ebenfalls trimmbar angeschlagen werden.
Circa 50 mm vor dem Ende des Baums kam dann wieder ein durch zwei Ringe gesicherter Haken. Diesen hakte ich in die Einschlagöse der Groß ein. Hier war später die Unterliek der Groß ebenfalls bezüglich ihrer „Bauchigkeit“ trimmbar.
Auf das Ende des Baums kam dann noch ein mit zwei Ringen gesicherter Haken für das spätere Achterstag der Groß.

Der Großbaum fertig montiert

Dann zog ich die untere Takelschnur an der Vorliek von oben durch das Loch im Mastkreuz, fädelte wieder einen Schieber ein, dann durch den ersten Baumbeschlag und wieder zurück durch das dritte Loch im Schieber. Diesen stellte ich so ein, dass das Segel bei Mittelstellung des Schiebers im Stellweg bis auf das Mastkreuz herunter gezogen war.

Anschlag der Vorliek der Groß am Mastkreuz

Dann brachte ich die Schot an. Ich fädelte sie zunächst durch den zweiten Beschlag, dann durch einen Schieber, nach hinten durch den dritten Beschlag und zuletzt wieder zurück durch den Schieber. Optimal eingestellt führt die Schot senkrecht nach unten durch das Schotröhrchen in den Rumpf. Der Verstellweg für den Schieber zwischen den Beschlägen sollte etwa 80 mm betragen.

Montage der Großschot. Der Knebel ermöglicht eine schnelle Trennung der Schot für einen problemlosen Wechsel des Riggs

Nun ging es darum, die Groß am Top zu befestigen. Doch zunächst musste der Mast erst noch auf das erforderliche Maß gekürzt werden. Ich zog die Groß straff am Mast nach oben und Markierte ca. 20 mm oberhalb des Segeltops die Schnittstelle. Dann kürzte ich den Mast und schob oben einen Achterstag-Ausleger (Crane) von einer Dragon Force 65 ein. An diesem befestigte ich die obere Takelschnur und zog dabei die Vorliek straff. Die Vorliekspannung konnte ich später mit dem unteren Schieber einstellen.

Eine Bemerkung noch zum Ausleger. Dieser funktioniert zwar, ist aber mindestens 15 mm zu kurz und die Achterliek berührt daher das Achterstag. Ich werde also später einen passenden Ausleger fertigen und einbauen.

Montage des Achterstag-Auslegers

Dann bracht ich das Achterstag an. Dazu verband ich mit Takelschur das Ende des Top-Auslegers mit dem Haken am Baumende. Da ich auch hier einen Schieber eingefädelt hatte, konnte ich nun über das Achterstag die Groß mittels Mastkrümmung trimmen.

Eingehakte Achterliek der Groß und Achterstag am Ende des Großbaums

Edit 24.03.2019 – Ausleger bauen

Zum Auftakeln gab’s im Forum umgehend einige Verbesserungstipps, die ich schnellstens umsetzte. Den längeren Achterstag-Ausleger baute ich auch gleich noch.

Mit dem begann ich. Ich musste schon einige Zeit überlegen, wie ich das denn mit meinen Mitteln machen wollte. Schließlich dachte ich mir folgende Lösung aus und setzte sie um.
Der Ausleger sollte einen Kopf aus Alu-Rundprofil bekommen, sowie Schaft und Auslegerarm aus 4mm CFK-Rundstab.
In einen 8 mm Alu-Rundprofil bohrte ich zunächst für den Schaft längs zentral ein ca. 12 mm tiefes Loch mit 4 mm Durchmesser. Dann ca. 10 mm vom Ende entfernt quer ein 4 mm Loch für den Ausleger. Ich schnitt den Auslegerkopf ca. 14 mm vom Profilende ab, schliff und entgratete die Enden, sowie die Bohrlöcher. Als Auslegerarm klebte ich einen ca. 110 mm langen CFK-Stab ein, als Schaft klebte einen ca. 50 mm langen CFK-Stab. Der Ausleger macht einen sehr stabilen Eindruck der auch beim Einbau blieb.

Eine wichtige Trimmmöglichkeit hatte ich bisher ausgelassen, da ich mich etwas zu sehr an der Dragon Force orientiert hatte: Einstellen des „Bauches“ und des „Twists“ der Groß über ihre Achterliek.
Ich entfernte den Haken und befestigte die Groß nun mit zwei über Schieber verstellbaren Trimmschnüren am Baum. Eine zeigte schräg zum Heck (Einstellen des „Bauches“), eine schräg zum Bug (Einstellen des „Twists“).

Hier werden „Bauch“ und „Twist“ getrimmt

Zuletzt entfernte ich noch die Mastringe (Ersatzteil Dragon Force 65 V6), mit denen ich die Groß angeschlagen hatte. Sie waren zu schwergängig, da zu klein. Ich ersetzte sie schlicht durch Takelschnur. So werde ich das Rigg erst einmal lassen und mit ihm die Probefahrten durchführen.

Der Ersatz für die Mastringe. Dank des zwischen gelegten Röhrchens ist der Abstand Groß – Mast immer genau definiert

Zum Schluss noch der Hinweis auf ein kleines, äußerst preiswertes und sehr nützliches kleines Werkzeug: Eine Einfädelhilfe aus dem Nähkästchen. Takelschnur durch kleine Schieberlöcher usw. ziehen ist damit kein Problem (mehr). Mich jedenfalls bewahrte das kleine Teil wieder vor einigen großen Verzweifelungsanfällen 🙂 .

Little Helper …

Natürlich fehlte noch der abschließende, präzise Trimm, aber das Auftackeln war soweit erledigt. Auf einmal stand ein richtiges Segelboot vor mir. Tolles Gefühl!

Weiter geht’s mit #16 Projekt Orion Edge 65 – Kiel

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