#14 Projekt Orion Edge 65 – Segel

Nachdem die Mastteile erst einmal soweit vorbereitet waren, konnte es nun an die Anfertigung des erste Segels gehen. Es sollte zunächst ein A-Rigg als Probesegel aus preiswertem Material werden. Wenn es sich in den Probefahrten bewährt, werde ich es dann in gleicher Weise aus dem Einsatzmaterial bauen, ebenso noch ein B-Rigg. Zudem hatte ich mich entschlossen, keine einteiligen Segel zu bauen, sondern richtig schön profilierte aus Segmenten.

Zunächst einmal stand die Suche nach geeigneten Plänen an. Diese sollten für ein Swing-Rigg mit geradem Großbaum geeignet und natürlich Klassenkonform sein. Nach einigem Suchen fand ich bewährte und geignete Designs in Andy’s Radiosailing Blog, die perfekt passten.

Die zweite Frage war, mit welcher Methode anfertigen? Die meisten Segelbauer verwenden m.W. für die Anfertigung profilierter Segel eine sogenannte „Schildkröte“, eine Art Formbuckel.
Von einem anderen Bootsbauer im Forum (Danke, Kuddel!) erhielt ich den Tipp auf die Methode mit dem sogenannten „Claudio Gadget“. Diese Methode fand ich gleich sehr einleuchtend und nach meinen weiteren Recherchen schien sie auch gut zu funktionieren. Ich verlinke hier eine recht brauchbares Tutorial der Methode und auch ein Video, in dem gezeigt wird, wie man mit dem Gadget arbeitet.
In diesem Berichtsteil greife ich insgesamt etwas mehr auf externe Ressourcen zurück, da ich nicht bereits gut beschriebene Dinge noch einmal beschreiben möchte. Bevor ich starten konnte, baute ich mir also das Gadget aus einem 800 x 200 mm Regalbrett und einem 1.000 mm Alu-U-Profil.

Eine Anmerkung zum „Claudio Gadget“. Man sollte sich zum Arbeiten damit unbedingt dieses Tool hier herunter laden. Hier trägt man in den roten Feldern z.B. die Dicke eines Kartenspiels und die Anzahl der Karten ein und die Tabelle rechnet dann die Anzahl der Karten aus, die man für einen bestimmten Raft-Winkel (bestimmt die Tiefe des Profils) bei einer bestimmten Nahtlänge einsetzen muss.
Mein Probesegel baute ich von oben beginnend mit 10° Raft-Winkel und reduzierte jeder Naht um 1°. Für die untere Naht sah ich keinen Raft-Winkel vor.

Das Probesegel wollte ich zum Üben aus preiswerter, aber recht reißfester Verpackungs-Folie bauen, die ich 5 Meter für 1 € in einem Sonderposten-Markt kaufte. Und erst wenn sich das Segel in späteren Probefahrten bewährt haben sollte, werde ich mich an die teure Mylar-Folie heran trauen. Ich kann somit zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nichts dazu sagen, ob und wie sich das Design an meinem Boot bewährt oder welche Änderungen ggf. erforderlich sind. Darüber werde ich erst im letzten Teil dieser Dokumentation nach Beendigung der Probefahrten berichten können. Am Herstellungsprinzip des Segels, dürfte sich allerdings auch bei Verwendung von Mylar-Folie kaum etwas ändern.

Zunächst übertrug ich Andys Plan von DIN A4 in 1 : 1 auf Packpapier. Beim Übertragen fügte ich noch am Vorliek der Groß einen 10 mm breiten Streifen an, um später Material für eine leichte Krümmung in der Vorliek zu haben. Ebenso markierte ich an den Segmentnähten immer für das jeweils untere Segment 6 mm breite Überlappungen für das doppelseitige Klebeband. Die Fock teilte ich in drei Segmente und fügte auch hier Überlappungen ein. Hinter den Vorlieken der Segel markierte ich zudem die Profillinie auf den Segmentnähten. Sie befindet sich in einem Abstand von etwa 1/3 der Länge der Naht des Segels zur Vorliek.

Die Skizze des Segels auf der Basis von Andy’s Plan

Auf Basis dieses 1 : 1 Plans fertigte ich nun für alle Segmente der Segel Schnittschablonen aus dünnen Kunststoffplatten an (große Schneidbrettchen, ca. 2mm stark, auch aus besagtem Sonderposten-Markt), da ich den Plan beim Zuschneiden der Segmente nicht zerstören wollte.
Ich legte die Schnittschablonen auf die Folie und schnitt mit einem Skalpell die Segmente aus. Wichtig: Dabei, wie auch im Video gezeigt, kleine Markierungen für die Profillinie anbringen.

Dann klebte ich mit dem Claudio Gadget die Segmente entsprechend dem Tutorial zusammen. Dabei und bei anderen Arbeiten mit dem Klebeband ist es übrigens wichtig, das Klebeband auf keinen Fall zu strecken. Sonst könnte sich die Klebenaht verziehen. In gleicher Weise klebte ich auch die Fock zusammen. Die Vorgehensweise ist die gleiche (ich arbeite immer vom obersten Segment zum untersten und die Vorliek liegt immer rechts):

  • Fixier-Tape auf Schiene kleben, Papierstückchen unter die Enden
  • Anzahl Shims mit dem Tool ermitteln
  • Krümmung mit Shims einstellen
  • oberes Segment aufkleben, Papierstückchen genau an den Nahtenden
  • Shims entfernen und Aluprofil an den Enden fixieren
  • Naht-Tape aufkleben
  • unteres Segment aufkleben
  • Segmente vom Alu-Profil abnehmen
  • Fixier-Tape entfernen

Zur besseren Handhabung kam ich im Rahmen des „learning by doing“ auf ein paar kleine Tricks: Immer unter die Tapes, bzw. zwischen ihnen an den Nahtenden kleine Papierstückchen legen. Das erleichtert später das Entfernen der zusammengeklebten Segmente vom Alu-Profil, bzw. des Fixier-Tapes von ihnen. Zum Entfernen des Fixiertapes dieses in der Mitte der Naht „hoch gnubbeln“, durchschneiden und zu den Seiten abziehen. Wichtig dabei: Nicht gegen die Stoßkante „gnubbeln“!

Nach dem Zusammenkleben schnitt ich noch die Krümmung in die Vorliek der Groß. Auch dafür nutzte ich das Gadget. Ich stellte das 100 cm lange U-Profil auf eine 6 mm Einbuchtung ein, fixierte die Vorliek der Groß straff mit Krepp auf der Schneidmatte und schnitt die Rundung entlang des gebogenen U-Profils.

Die Krümmung der Vorliek von 6 mm Tiefe ist am Gadget eingestellt

Extrem belastete Bereiche eines Segels sind die Punkte, an denen es an Mast und Bäumen angeschlagen ist. Die verstärkte ich beidseitig mit selbstklebendem Nummerntuch. Für die Formen an den Ecken fertigte ich wieder Schablonen aus o.g. Kunststoff, runde Patches schlug ich mit einem 14 mm Locheisen aus. Anschließend klebte ich sie entsprechend der Skizze auf die Segel. Die runden Patches klebte ich um die Nahtenden an der Vorliek der Groß.

Das Vorstag sollte in einem Tunnel an der Vorliek der Fock laufen. Als Material dafür wählte ich einen 20 mm breiten Streifen aus Chikara von Metropolis Drachen. Das Material ließ sich gut mit Stahllineal und Skalpell zuschneiden. Ich fixierte die Vorliek der Fock straff, aber ohne sie zu dehnen, mit Krepp auf meiner Schneidmatte und klebte doppelseitiges 6 mm Klebetape darauf. Auf dieses kam nun sehr sorgfältig die erste Kante des Stoffstreifens. Anschließend drehte ich die Fock um, fixierte sie wieder, klebte das zweite Tape auf und darauf dann die zweite Kante des Stoffstreifens. Überstehendes Material schnitt ich ab.

Die besonders belasteten Befestigungspunkte der Segel (Ecken oben und unten) verstärkte ich mit 2 mm Einschlagösen. Dafür schmolz ich mit einer erhitzten Fleischnadel vorsichtig Löcher in diese Stellen und schlug die Ösen mit einem Einschlagwerkzeuge ein. Wichtig: Unbedingt für beide Seiten einer Öse Unterlegscheiben verwenden! Sonst hält die Öse nicht.
Für die restlichen Befestigungpunkte an der Vorliek schmolz ich mit einfach ca. 1 mm Löcher in die Verstärkungen.

s letztes klebte ich noch die 3 mm breiten Segellatten auf eine Seite der Groß. Ich schnitt sie aus dem klaren Plastik einer Verpackung für Tomaten aus und klebte sie mit Sprühkleber auf. Zusätzlich fixierte ich sie an den Enden mit 14 mm Patches aus Nummerntuch. Ich positionierte sie auf den Segmentnähten und sie haben jeweils eine Länge von etwas geringer als 1/3 der Nahtlänge. Nur die Latte im Top bekam eine andere Position (s. Abb.). Sie soll in besonderer Weise diese „lose Ecke“ des Segels stabilisieren und Flattern verhindern.

Als letzte Arbeit zog ich nun noch das Vorstag aus feinem Edelstahlseil ein. Stahlseil durch den Tunnel schieben und am Ende mit einer Crimp-Hülse zu einem kleinen Auge formen. Stahlseil mit ca. 5 cm Überschuss ablängen, wieder ein kleines Auge formen und den Seilüberschuss abschneiden. Das Vorstag muss jetzt so lang sein, das die Augen auf beiden Tunnelenden heraus schauen, die Crimp-Hülsen jedoch nicht.
Statt des Stahlseils kann wohl auch nicht dehnbare Takelschnur verwendet werden.

Einschlagösen und Werkzeug, sowie Niro-Seil und Crimp-Hülsen habe ich übrigens von Graham Bantock. Ich fand sie leider nirgendwo anders. Bitte bei einer Bestellung auf die Versandkosten beachten!

Das fertige Segel

Das Probesegel war nun bereit zum Aufriggen. Wie es sich bewährt werden die Probefahrten zeigen. Sollte es keine größeren Probleme geben, dürfte die Fertigung von A- und B-Rigg der Einsatzsegel aus Mylarfolie unproblematisch in gleicher Weise erfolgen können.

Weiter geht’s mit #15 Projekt Orion Edge 65 – Auftakeln

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