#12 Projekt Orion Edge 65 – Ruder

Ruder kann man fertig für gutes Geld kaufen. Doch es reizte mich, selbst eins zu bauen. Als Vorlage nutzte ich ein Design, das Andy H. im Forum als 3D-Vorlage vorgestellt hatte. Ich speicherte es in Fusion 360 als .png ab und anschließend mit PDF24 als .pdf. Dieses PDF konnte ich dann sehr genau skaliert unter PDF24 ausdrucken. Bei der Skalierung half mir, dass das Konstruktionsraster aus Fusion 360 mit abgebildet war.

Die ausgedruckten Ruderblattteile sind auf das Balsa aufgeklebt

Das Ruderblatt wollte ich als Sandwich-Konstruktion ausführen. Als Kern sollte Balsa dienen.
Zunächst laminierte ich zwei passende Balsabrettchen mit einer Zwischenlage aus 83er Glas zusammen. Die sollte dem späteren Sandwich inneren Halt geben und zugleich die Mitte des späteren Profils markieren. Dabei probierte ich zwei Vorgehensweisen aus: Zwei bereits ausgeschnittene Blattstücke zusammen kleben und zwei Brettchen zusammenkleben und dann ausschneiden. Es stellte sich heraus, dass beide Vorgehensweisen funktionierten. Allerdings fand ich das nachträgliche Ausschneiden mit dem Skalpell etwas komfortabler, da die äußere Kante gleich sauber geschnitten ist. Ich musste sie nicht erst sauber schleifen.

Zusammenkleben der Ruderblatthälften mit Glaseinlage und Epoxyd-Harz

Bei beiden Vorgehensweise schnitt ich die Kontur des Ruderblattes anhand des mit Tesa aufgeklebten Ausdrucks aus.
Bei den zusammenklebten Blattteilen schliff ich zunächst die Außenkanten bündig.

Das Ruderblatt wird ausgeschnitten

Im nächsten Arbeitsschritt klebte ich die 3 mm Ruderachse aus geschiffenem V2A in die entsprechende Aussparung des Rohlings. Da die Achse einen 3 mm Durchmesser besaß, der Rohling aber 4 mm dick war, musste ich unter die Achse 0,5 mm unterlegen, um sie genau mittig ins Blatt kleben zu können. Das war erforderlich, da ich ja die Mittellage aus Glas als Referenz für die scharfen Außenkanten nutzen wollte.

Blätter von einem Notizblock dienten als 0,5 mm Unterlage. Die Achse wurde mit dickflüssigem Sekundenkleber „angeheftet“

So ausgerichtet „heftete“ ich die entfettete und angerauhte Achse zunächst mit ein paar Tropfen dickflüssigen Sekundenkleber an. Dabei prüfte ich zur Sicherheit gleich wieder ob Kiel und Ruder genau fluchten.
Dann klebte ich den Achsteil außerhalb des Ruderblattes sorgfältig mit Tesa ab und dichtete ihn zum Blatt hin mit Kinderknete (Play-Doh) ab. Auf einer Seite des Blatts wurde die Aussparung mit Tesa verschlossen, auf der anderen Seite (Oberseite) ihre Kanten abgeklebt.
In die so vorbereitete Aussparung ließ ich dann vorsichtig tropfenweise Epoxyd-Harz einlaufen und das Ganze gut aushärten.

Einkleben der Achse mit Epoxyd-Harz. Die gelbe Kinderknete und das Tesa um die Achse dienen deren Schutz vor Verschmutzung mit Harz

Dann entfernte ich die Abklebungen und begann das Blatt in Form zu schleifen. Dabei ging ich seeeehr behutsam vor und überprüfte alles in kurzen Abständen immer wieder.
Zunächst überprüfte ich, ob das Ruderblatt genau der Rumpfkontur folgte und passte es so an, dass es der Kielkrümmung folgte.

Das Ruderblatt passt schon fast exakt an den Rumpf

Dann schliff ich beidseitig zunächst die jeweils 0,5 mm Überschuss ab. Dabei diente mir die Ruderachse als Referenz.
Im nächsten Schritt verjüngte ich das Blatt zu den Kanten vorne und hinten hin und auch zur Spitze hin sollte es immer dünner werden. Der höchste Punkt des Profils folgte dabei ungefähr einer Linie mit zunächst dem Abstand Achsenmitte – Vorderkante und im unteren Bereich dann harmonisch geschwungen bis zur Blattspitze.

Die Linien für den höchsten Bereich des Profils

Die scharfen Kanten ringsum wurden durch die Mittellage Glas gebildet. Zum Schleifen legte ich das Blatt immer auf ein Holzbrettchen und vermied so eine unnötige Belastung des immer filigraner werdenden Bauteils.

Nach Beendigung der Schleifarbeiten strich ich das Blatt zweimal mit Parkettlack um das Balsa zu härten. Davon rate ich aber ab. Eine Seite des Blattes war geringfügig dicker und quoll daher etwas stärker als die andere und das Blatt verbog sich leicht, ähnlich wie ein Bimetall. Ich konnte dies zum Glück wieder richten

Zum äußeren Laminieren des Blattes klebte ich mit doppelseitigem Klebeband auf zwei Brettchen 10 mm Evazote und überspannte beide sie glatt mit Frischhaltefolie. Dann strich ich auf eines satt Harz, legte darauf 49er Glas aus, tränkte es ebenfalls satt mit Harz, strich das Blatt dünn mit Harz ein und legte es darauf. Wieder eine Schicht 49er Glas, das ich auch satt mit Harz tränkte und darauf dann das zweite Brettchen. Das Ganze wurde dann mit Zwingen gepresst und hatte einen Tag Zeit zum Aushärten.
Ich hatte wieder die zähe Elastizität des Evazotes genutzt, um alles fest auf das geformte Ruderblatt zu pressen. Beim Bau der Mast-/Kieltasche hatte sich dies Vorgehensweise ja bereits bewährt und auch hier funktionierte es ausgezeichnet.

Laminieren! Harz und Glas sind aufgebracht. Jetzt kommt noch das zweite Brettchen darauf und alles wird mit Schraubzwingen zusammen gepresst

Nachdem ich das Ruder der Pressform entnommen hatte schnitt ich mit einer Schere vorsichtig ringsum das überschüssige Material bis auf ca. 1,5 mm ab. Dann mit einem Schleifbrett und 240er Papier gleichmäßig auf rund 0,5 mm. Genau richtig ist es wenn an den scharfen Kanten noch ein ganz dünner Streifen durchsichtigen Materials verbleibt.
Das Ruderblatt war durch das Laminieren mit einer Mittelschicht und zwei äußeren Schichten Glas sehr steif geworden. Ich hatte wirklich keine Bedenken bezüglich seines Einsatzes am Boot.

Das fertig laminierte Ruderblatt 24 Stunden später
Man erkennt, wie gut das Anpressen mit dem Evazote funktionierte. Der dünne, helle Rand muss nach Ausschneiden und Schleifen noch stehen

Dann schliff ich die Oberfläche mit feinem Papier an, reinigte sie mit Isopropyl-Alkohol, sprühte eine dünne Schicht Sprühspachtel darauf und schliff alles zunächst trocken und dann nass schön glatt.

Das Ruderblatt ist gespachtelt. Nach dem Trockenschliff folgt nun noch der Nassschliff

Wieder Reinigen mit Isopropyl und dann zwei Schichten schwarzen Lack. Diesmal bekam ich die Oberfläche derart glatt hin, dass ich auf Klarlack verzichten konnte.

Die zweite Schicht Lack ist aufgesprüht, das Finish lässt keine Wünsche offen

Nachdem ich das Tesa von der Achse entfernt hatte war das Ruder fertig zum Einbau. Ich baute es probeweise ein und ermittelte, wo der Schaft gekürzt werden musste. Das erledigte ich und entgratete die Schnittstelle.

Fertig zum Einbau

Das fertige Ruder wiegt 10 g.

Weiter geht’s mit #13 Projekt Orion Edge 65 – Mast und Bäume

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