#10 Projekt Orion Edge 65 – Deck

Das Deck bereitete mir einiges an Kopfzerbrechen. Wie konnte ich es genau an den Rumpf anpassen, wie die Ausschnitte machen, wie Deck und Rumpf miteinander verkleben usw., usw.? Alles recht kniffelig.

Ich entschloss mich zu einem Schritt-für-Schritt-Vorgehen. Dafür legte ich die einzelnen Schritte fest, um Fehler in der Abfolge zu vermeiden. Diverse Detaillösungen hatte ich natürlich einige bereits im Kopf, wollte sie jedoch endgültig erst zu Beginn oder sogar erst während des jeweiligen Arbeitsschrittes festlegen.
Das funktionierte dann auch recht gut. Allerdings stellte ich an einem Punkt fest, dass meine Vorüberlegungen nicht zutreffend waren und deshalb eine Korrektur erforderlich wurde. Darauf weise ich noch besonders hin.

Schritt 0 – Grundsätzliche Methode

Für das Aufbringen eines Decks sehe ich, wenn es nicht gerade aufgeplankt wird, grundsätzlich zwei Methoden:
Das Deck mit all seinen Öffnungen vorbereiten und dann aufkleben oder das Deck soweit vorbereiten, dass alle Ausschnitte und der Umriss klar definiert sind, es aufkleben und erst dann die Öffnungen ausschneiden.

Ich entschied mich für die zweite Methode, weil ich insbesondere im Bereich der Dose Beschädigungen befürchtete. Auch ist das Deck flach. Ich konnte daher die Ausschnitte weitgehend mit meiner Minimot + Trennscheibe ausschneiden.

Schritt 1 – Übertragen der Rumpfgegebenheiten auf das Deckmaterial

Zunächst galt es die für das Deck relevanten Positionen wie Durchlässe für die Mast-/Kieltasche – beide sollten ja aus Gründen der Stabilität durch das Deck führen – und den Deckumriss des Rumpfes auf das Material zu übertragen. Als Material für das Deck hatte ich 0,8 mm Flugsperrholz gewählt.
Die Umrisse ersterer übertrug ich mit permanentem Fineliner auf ein Stück transparenten Kunststoff einer Tomatenverpackung und schnitt sie aus. Die so entstandene Schablone teste ich am Rumpf und arbeitete sie noch ein wenig nach.

Dann färbte ich die Oberkanten beider Taschen mit einem Edding schwarz ein und legte das Sperrholz darauf, um die Positionen der beiden Taschen auf dem Holz zu markieren. An diese Markierungen legte ich die Plastikschablone an und übertrug die Umrisse der Taschen auf das Holz.

Schritt 2 – Grober Ausschnitt des Decks

Als nächstes schnitt ich mit Minimot und Trennscheibe diese Öffnungen aus und bearbeitete sie so lange, bis alles gut über Taschen und Rumpf passte. Dabei tat ich ein wenig zu viel des Guten. Dies würde sich zwar später ohne Probleme zuspachteln lassen, mahnte aber zum behutsameren Vorgehen.

Ich konnte nun das Sperrholz auf die Bordwandoberkanten legen, um auch den Deckumriss darauf zu markieren. Dazu drückte ich es fest auf und zeichnete mit Fineliner ringsum den Deckumriss an, markierte mit Bleistift die Mittellinie an Bug und Heck. Dann sägte ich das Deck mit ca. 2 mm Abstand zur Markierung aus.

Der Umriss ist grob ausgesägt, die Durchlässe passen

Die Mittellinie ist immer die zentrale Orientierung beim Schiffsmodellbau. So auch hier. Ich zeichnete sie zunächst mittels der Markierungen unter dem Deck an, später auf dem Deck.

Anzeichnen der Mittellinie auf dem Deck mittels Zwirnfaden und Markierungen an Bug und Heck

Auf die Anfertigung des Decks entsprechend dem Bauplan verzichtete ich bewusst, denn mein Rumpf wies geringfügige Abweichungen vom Plan auf. Ich setzte daher auf „Maßanfertigung“.

Schritt 3 – Festlegung der Decköffnungen

Auch die Decköffnungen gestaltete ich nach eigenen Vorstellungen. Diese Öffnungen dienen unterschiedlichen Zwecken: Gewichtsersparnis (RG-65er sind schließlich Rennsegler), Zugänglichkeit der RC-Einbauten, Einbau der „Inspektionsdose“, Aufnahme des Gegenlagers für die Rigg-Sicherung und des Schotröhrchens usw..

Die große Öffnung vor dem Mast sollte den Zugang zum Segelservo gewährleisten, die am Heck zur Ruderanlage. Die kleinen Öffnungen links und rechts der Mast-/Kieltasche dienen rechts dem Einbau des Senders und links schlicht der Optik. Diese größeren Öffnungen würden beim fertigen Boot mit stabiler selbstklebender Folie abgedeckt sein.

Die Dose mit ihrem abnehmbaren Plastikdeckel würde mir einen ständigen, Material sparenden Zugriff auf die Akkus gewährleisten. In den meisten Booten mit Dose befindet sich dort auch der Schalter für die RC-Elektrik. Dafür hatte ich bei meinem Boot jedoch einen wasserdichten Schalttaster im Deck vorgesehen. Dessen Einbauöffnung war an der rechten Seite des Kiels vorgesehen. Die Dosenöffnung sollte ihren Platz zwischen Schotröhrchen und Hecköffnung erhalten.

Zunächst hatte ich nur unter Deck exakte Orientierungspunkte wie Mittellinie, Deckumriss und Durchführungen. Daher erfolgten die nachfolgenden Arbeiten zunächst dort und wurden dann erst auf die Deckoberseite projiziert.

Als erstes legte ich entsprechend der Bauanleitung die Position des Schotröhrchens auf der Mittellinie fest und zeichnete sie an. Dieses hat seine Position exakt 100 mm hinter der Mitte der Masttasche auf der Mittellinie.

Dann maß den Durchmesser der Dose und markierte mit einem Zirkel ihren Umriss mit Mittelpunkt auf der Mittellinie.

Hintere Decksöffnung, Dose und Schotröhrchen sind angezeichnet

Für die beiden großen Öffnungen fertigte ich Halbschablonen aus dünner Pappe an und übertrug dann deren vollen Umrisse mittels der Mittellinie.

Die vordere Decköffnung. Sie wird zunächst auf der Deckunterseite angezeichnet, da sich hier auch die wichtigen Markierungen befinden
Die Anzeichnungen auf der Deckunterseite. Die beiden kleinen Öffnungen links und rechts der Kiel-/Masttasche und die für den Schalter fehlen noch

Nun ging es darum, all diese Anzeichnungen auf die Oberseite des Decks zu projizieren. Dafür zeichnete ich zunächst auch auf dieser Seite die Mittellinie an. Dann markierte von der Deckunterseite her die markanten Positionen der Decköffnungen mit winzigen Bohrungen. Bei den flächigen Öffnungen waren das jeweils die Kreuzungen Umriss Öffnung und Mittellinie, bei den runden die Mittelpunkte.

Alle Bohrlöcher auf der Mittellinie der Unterseite mussten auch auf der Oberseite durch die Mittellinie führen. Nun machte ich auf der Oberseite mittels der Schablonen und des Zirkels die gleichen Anzeichnungen, wie auf der Unterseite.

Als letztes zeichnete ich noch die Bohrlöcher für die Gegenlager der Rigg-Sicherung an. Für diese Lager wollte ich 2 mm Gewindestangen verwenden, die unter Deck verankert werden sollten. Entsprechend deren Maßen zeichnete ich links und rechts der Masttasche sehr sorgfältig die Lochpositionen mit dem Abstand der späteren Breite des Sicherungsschiebers auf das Deck.

Schritt 4 – Deckeinbauten

Die Gegenlager fertigte ich aus 2 mm V2A-Gewindestangen. Diese wurden unter Deck von mit Sekundenkleber verklebten Muttern und Scheiben gehalten. Zur Lastverteilung und Stabilisierung klebte ich auch noch Streifen aus 2 mm CFK-Sandwich auf.
Die Höhe und Breite der Führung über Deck legte ich so aus, das sich später die Sicherung leicht auf dem gespachtelten und lackiertem Deck bewegen lassen würde. Dazu nutzte ich als Lehre das Alu Flachprofil, das für die Sicherung Verwendung finden sollte.

Die Gegenlager der Rigg-Sicherung sind eingebaut, die Lehre muss sich leichtgängig bewegen lassen …
… und auch deren stabile Verankerung unter Deck

So weit, so gut, doch hier beging ich den Denkfehler! Das zweite Lager hinter dem Mast war gar nicht erforderlich! Das kam mir erst in den Sinn, als das Deck bereits verklebt war. Ich schnitt es später einfach ab und gut wars. Es war mein erstes Boot und ich lernte halt. Also, ein Lagerbügel reicht!

Der Denkfehler war behoben … und der Schmutz verschwand auch wieder

Als Stützen für das Schotröhrchen klebte ich drei Dreiecke aus 2 mm CFK-Sandwich um dessen Decköffnung. Als Lehre dafür nutzte ich einen Rundstab gleich Durchmessers. Das Schotröhrchen verklebte ich dann einfach in seiner Öffnung, dass es oben und unten jeweils ca. 15 mm heraus stand.

Die Stützen für das Schotröhrchen

Als Schotführung unter Deck nutzte ich den Spitzenring einer Angel. Diesen klebte ich so in den Kiel, dass die gestraffte, aus dem Vorschiff kommende Schot später senkrecht in das Röhrchen geführt werden würde. Damit will ich Verschleiß durch Reibung an der entgrateten Röhrchenkante vermeiden. Zudem wird wohl durch den sehr gleitfähigen Innenring des Rings sowie den 45° Winkel bei unter Last gestraffter Schot eine bessere Leichtgängigkeit erreicht.
Die genaue Position der Führung ermittelte ich mit einem dünnen CFK-Rundstab, der am Ende mit Tinte bestrichen war. Diesen steckte ich von oben durch das Schotröhrchen bis auf den Rumpfboden und markierte so die genau senkrechte Position unter dem Schotröhrchen.

Die Schotführung ist am Rumpfboden eingeklebt. Der nochmals eingeschobene CFK-Rundstab zeigt den späteren Weg der Schot an
Schritt 5 – Versiegelung

Hier gab es nichts groß zu überlegen. Jedoch war dieser Arbeitsschritt nun wichtig, um nach dem Rumpf auch das Deck innen vor Feuchtigkeit zu schützen und jetzt war dafür der richtige Zeitpunkt gekommen. Erst vor dem Spachteln und Lackieren würde ich auch die dann noch ungeschützten Bereiche außen versiegeln.
Wie bisher erhielt also die Deckunterseite drei Anstriche Parkettlack.

Schritt 6 – Verkleben mit dem Rumpf

Zunächst klebte ich die Bordwände außen mit Paketklebeband ab. Kleber, wo er nicht hingehört, bedeutet nur viel unnötige Arbeit. Man sollte dickeres durchsichtiges Klebeband nehmen. Es lässt sich später wesentlich besser abziehen, als das sehr dünne braune.

Klebekontaktstellen waren die Oberkanten der Bordwände und der Bereich der Mast-/Kieltasche. Diese rauhte ich an Rumpf und Deck mit feinem Schleifpapier leicht auf. Dann klebte ich ringsum in den Rumpf an die Oberkante einen schmalen Schaumstoffstreifen. Dieser sollte später den Kleber aufnehmen und die Kontaktfläche vergrößern. Ebenso auf Höhe Deckunterkante um die Mast-/Kieltasche herum. Ganz wichtig dabei ist, den Sekundenkleber so aufzutragen, dass der obere Teil des Schaumstoffstreifens elastisch bleibt, um sich beim Verkleben dem Deck anpassen zu können. Beim Trocknen des Klebers stellte ich einen eigenartigen Effekt fest. Auf die Oberflächen des CFK-Sandwiches legte sich eine Art „Mehltau“. Ich reinigte das mit Alkohol und schützte dann die Oberflächen mit einem dünnen Ölfilm. Beim nächsten mal werde ich zum Ankleben keinen Sekundenkleber verwenden.
Der Streifen vergrößert einerseits die Klebeflächen und dient aber andererseits vor allem der besseren Platzierung des Epoxy-Klebers.

Die Schaumstoffstreifen um Mast-/Kieltasche und die Rumpfkante. Beim nächsten Boot werde ich den Streifen wesentlich dünner und aus feinporigeren Schaumstoff schneiden
Der für das Verkleben fertig vorbereitete Rumpf

Vom 60-Min. Epoxy-Kleber brachte ich zunächst auf alle Klebestellen unter dem Deck mit einem kleinen Borstenpinsel einen Streifen auf. Dann verdickte ich das Epoxy mit Thixo zu einer Paste und brachte es satt auf alle Schaumstoffstreifen und die Bordwandkanten auf. Anschließend ich legte das Deck auf den Rumpf, richtete es sorgfältig aus, fixierte es ringsum mit Klebeband und ließ den Kleber über Nacht aushärten.

Der Kleber zwischen Deck und Rumpf bindet ab, alles ist fixiert. Der Schaumstoff-Trick funktionierte wirklich gut

Am nächsten Tag spachtelte ich dann mit einer Epoxy-Talkum Mischung alle verbliebenen Spalten an Rumpf und Mast-/Kieltasche, schnitt später die Überstände der Tasche ab und schliff sie plan zum Deck. Zuletzt schliff ich noch die Decküberstände ringsum plan zu den Bordwänden.

Das Deck ist aufgeklebt, die Deckkanten und die Mast-/Kieltasche sind bündig geschliffen. An der Tasche braucht es noch ein paar Spachtelarbeiten
Schritt 7 – Ausschnitt der Decköffnungen

Nun konnte der Ausschnitt der Decköffnungen erfolgen. Dies erledigte ich mit Minimot-Bohrmaschine mit Trennscheibe und es funktionierte überraschend gut. Die Rundungen schliff ich mit kleinen Schleifkörpern aus. Anschließend schliff ich alle Kanten exakt sauber.

Bis auf die Öffnung für die Dose sind alle größeren Öffnungen in das Deck geschnitten
Schritt 8 – Einbau der Dose

Eigentlich ist die Überschrift nicht ganz korrekt, denn ich stellte fest, dass die Dose zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht eingebaut werden, sondern nur ihr Einbau vorbereitet werden sollte.

Ich nahm insgesamt drei Anläufe und sammelte so ungewollt Erfahrungen. Nummer eins stammte von einer Cremedose mit Schraubverschluss und wirkte einfach nur monströs auf dem schlanken Orion-Rumpf. Sie wieder zu entfernen, fiel mir nicht schwer.

Der erste Versuch – eindeutig zu klobig

Für die zweite Kandidatin war nun allerdings die Öffnung zu groß und ich musste das Deck in diesem Bereich aufdoppeln. Die zweite Dose stammte von Play-Doh Kinderknete, sah schon deutlich besser aus und war aber irgendwie immer noch nicht so ganz das Gelbe vom Ei.

Aufdoppeln des Decks für die zweite DoseŸ
Schon besser, aber irgendwie immer noch zu dick

Roland aus dem Forum erwies sich als unerwarteter, mitfühlender Sponsor und schenkte mir dann zwei seiner selbst laminierte Ringe mit Deckel für Versandröhren. Ich stellte fest, dass sie ohne Probleme in die bereits vorhandene Öffnung passen würden. Also entfernte ich nun auch die zweite Dose und schliff den Kleberand um die Öffnung bündig. Siehe da, die dritte Dose passte perfekt! Ich klebte sie jedoch noch nicht ein. denn inzwischen wusste ich, dass eine bereits eingebaute Dose das Lackieren unnötig erschweren würde. Dass ich auf den Rumpf zu diesem Zeitpunkt bereits eine Schicht Sprühspachtel aufgetragen hatte, war kein Problem.

Rolands tolles und hilfreiches Geschenk
So sollte es sein! Einkleben kommt jetzt nach dem Lackieren

Während dieser Arbeiten fielen mir beim Betrachten des Rumpfes zwei Dinge auf: Der bereits erwähnte Gegenlagerbügel hinter dem Mast war vollkommen überflüssig und das Loch für den Tastschalter hatte ich auch noch nicht gebohrt. Ersteren schnitt ich ab, zweiteres bohrte ich.

Der hintere Bügel des Gegenlagers ist weg, der Tastschalter probeweise eingebaut. Seine etwas üppige Form stört mich in diesem Fall nicht. Magnetschaltern vertraue ich nicht und ich möchte unbedingt die Elektrik schalten können, ohne das Boot öffnen zu müssen

Der Rumpf war nun bereit zum erneuten Spachteln, zum Schleifen, Grundieren und Lackieren.

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