#1 Projekt OEG 65 – Rumpfschale laminieren

Das Projekt Orion Edge Glas 65, wegen des doch etwas sperrigen Namen kurz „OEG 65“, wurde zu einem „Fork“ vom „Projekt Orion Edge 65“. Seinen Namen gab ich dem Projekt mit Roland’s Erlaubnis, denn er ist schließlich der Schöpfer dieses schönen Rumpfes.
Meine Frage im Forum, was ich denn tun könnte, um die nach dem Laminieren des Holzrumpfes noch erkennbare Gewebestruktur zu beseitigen, führte u.a. zu dem Vorschlag, den dann irgendwann fertig geschliffenen Rumpf doch einfach auch als Positivform zu nutzen. Diesen Vorschlag fand ich hochinteressant, würde ich am Schluss des Rumpfbaus doch zwei unterschiedliche Rümpfe des gleichen Typs mit vermutlich jeweils eigenen Eigenschaften zur Verfügung haben – wenn es denn funktionierte. Die Diskussion führten letztlich dazu, dass ich den Rumpf als Positivform nutzte.

Als der Rumpf der Orion Edge 65 fertig gespachtelt und geschliffen war und die Kanten sauber beschnitten, konnte das Laminieren der Schale beginnen.

Zunächst habe ich den Rumpf einmal mit Carnaubawachs überzogen. Besonderes Augenmerk legte ich auf einen gleichmäßigen, geschlossenen Überzug mit einem Pinsel und achtete dabei auch auf die Rumpfkante. Keinesfalls sollte hier etwas ankleben und damit das Abnehmen der Schale ohne Beschädigung des Rumpfes sicher möglich sein werden. Ich ließ das Wachs über Nacht trocknen.

Dann überzog ich, ohne das Wachs vorher zu polieren, den Rumpf noch mit einem PVA-Film. Wiederum mit einem Pinsel. Auch diesen Überzug ließ ich eine Nacht trocknen.

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Das Trennmittel ist auf den geschliffenen Rumpf aufgebracht

Die Rumpfschale laminierte ich dann mit 2 Lagen 83er und zuletzt einer Lage 49er Glasgewebe. Das sollte für genügend Festigkeit sorgen.

Auf die Form wurde zunächst die erste Lage 83er Gewebe mit parallelem Fadenverlauf (90°) zum Kiel aufgelegt und mit sparsamen Harzauftrag am Kiel von der Mitte zu beiden Enden vorsichtig mit einem Pinsel aufgetupft. Anschließend in der Mitte noch die Bordwände hinunter. Dann rollte ich mit der Lackierrolle und wiederum knapp Harz die Lage komplett und immer von der Mitte her auf den Rumpf.

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Alle drei Lagen Glas sind aufgebracht

Am Bug sorgte ich durch Zwischenlegen eines Stückchens Backpapier dafür, dass die Schalenseiten hier nicht zusammen laminiert wurden. Ich erhoffte mir durch die Trennung, die Schale leichter von der Form lösen zu können. Das funktionierte später dann auch wie gewünscht.

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Hier erkennt man schwach das zwischen gelegte Backpapier

Ich folgte dem Ratschlag, nass in nass zu laminieren. Die zweite Lage 83er Glas wurde – diesmal diagonal zum Kiel (45°) – aufgelegt, zunächst entlang des Kiels mit der Rolle fixiert und dann komplett aufgerollt. Diagonal deshalb, um die Festigkeit der Schale zu erhöhen. Zuletzt kam noch die 49er Lage – nun wieder mit 90° – auf den Rumpf.

Ich ziehe das Rollen von Positiv-Rumpflaminaten dem Tupfen eindeutig vor, da ich es deutlich unkomplizierter finde und meine Ergebnisse auch wesentlich gleichmäßiger waren, als mit Tupfen. Zudem geht es schneller. Das muss aber nicht bei jedem oder jeder so sein. Meine Empfehlung: Beides ausprobieren!

Nass in nass zu laminieren war dank des verwendeten „Epoxidharz Laminiersystem Hochlast 55 min (niedrigviskos) E55L“ von Breddermann kein Problem. Ich hatte 50 g Harz mit 20 g Härter angesetzt und diese Menge reichte zufällig genau aus. Für die drei Lagen Glas brauchte ich ohne Hast knapp 50 Minuten.

Ich ließ das Ganze einen Tag aushärten, schnitt mit einer Schere grob die Glasüberschüsse ab und rollte dann noch eine möglichst dünne, gleichmäßige Schicht Harz über die Schale. Auf diese Weise verschwand, wie beim Holzrumpf, auch das meiste der noch leicht sichtbaren Gewebestruktur. Dann ließ ich alles erst einmal ein paar Tage durchhärten.

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Die Rumpfschale ist gelöst. Die „Hilfsstringer“ wurden gleich anschließen heraus genommen

Der spannende Moment kam mit dem Ablösen der Rumpfschale. Hier wurde ich mal wieder für sorgfältige Vorarbeit belohnt. Bevor ich jedoch daran ging, zeichnete ich alle wichtigen Positionen des Rumpfes auf der milchig durchsichtige Schale an: Mittellinie, Bug-, Heck- und Rumpfkante. Ohne diese Markierungen wäre es später schwierig sie auf der Rumpfschale exakt zu bestimmen.

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Markierungen auf dem Rumpf

Die Schale ließ sich insgesamt problemlos ablösen Ich arbeitete mich von den Kanten auf ganzer Länge Stück für Stück zum Kiel vor und konnte dabei deutlich sehen, wo sich der Rumpf bereits gelöst hatte. Da ich doch einiges an Kraft mit den Fingerspitzen aufwenden musste, knickte an einer Stelle der obere Rand der Bordwand des fragilen Balsa-Rumpfes ein wenig nach außen. Zum Glück entstand kein sichtbarer Schaden und das Ganze würde später auch keinen Einfluss auf die Stabilität haben. Dafür würden ein kleines, von innen gegen geklebtes Stückchen Glas und natürlich das aufgeklebte Deck sorgen. Das alles zeigte mir jedoch, dass man sehr, sehr vorsichtig sein muss, wenn man einen vergleichsweise empfindlichen Rumpf als Positiv nutzt. Bei einer speziell gebauten Form dürfte diese Problem so nicht bestehen.

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Der Knick in der Bordwand. Zum Glück war der Schaden nicht groß und leicht zu beseitigen

Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass mein Puls vor dem Ablösen der Schale durchaus etwas höher ging und ich danach dann doch ziemlich erleichtert war …

Die Schalenkanten schnitt ich dann entlang der Markierungen sauber. Anders als beim Holzrumpf konnte ich hier das Laminat nicht mehr mit einem Cutter-Messer schneiden. Es war einfach schon zu dick. Ich verwendete eine für den Stoffzuschnitt schon zu stumpfe microverzahnte Schere. Das funktionierte ausgezeichnet und ich konnte die Kante sehr exakt beschneiden.

Ich entwachste den Rumpf erst mit Wasser um die PVA-Schicht zu entfernen, dann mit Aceton für das Wachs. Dabei stellte ich fest, dass Aceton den Spachtel anlöst. Das hieß für mich, noch mal Spachtel drauf und nochmal schleifen. Das nächste mal werde ich es mit Waschbenzin oder Silikonentferner versuchen um mir diesen Arbeitsgang zu sparen. Das soll auch funktionieren.

Nach noch mal spachteln und schleifen kam dann der letzte Schritt, der Einbau der Bugplatte und des Heckspiegels.
Dafür laminierte ich mittels der Laminierpresse eine GFK-Platte aus vier Lagen 83er Glasgewebe. Nach Aushärtung stellte ich die Schale mit Bug und Heck auf die GFK-Platte und zeichnete jeweils die Außenumrisse an.

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Der äußere Bug-Umriss auf der GFK-Platte im Vergleich zum Plan. Nach Schleifen und Einpassen stimmte es fast genau überein

Dann schnitt ich die Teile mit der microverzahnten Schere aus, schliff sie passend und fixierte zunächst den Spiegel mit Tesa in der Schale. Ich verklebte das Teil mit einer Raupe 5-Minuten-Epoxy, die ich innen aufbrachte.

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Der Heckspiegel ist bereits mit Epoxy eingeklebt. Der Bug kommt noch dran

Nach Aushärtung kam der Bug in gleicher Weise dran und zwei Stunden später schliff ich schließlich die Rumpfschale an den beiden Teilen bündig.

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Der bündig geschliffene Bugeinsatz …
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… und der Spiegel

Dann klebte ich den Rumpf zum Schutz dick mit Krepp ab (die spätere Schwert- und Ruderkokerposition ließ ich frei!) und konnte weiter an der Orion Edge 65 arbeiten.

Die laminierte Schale der künftigen „OEG 65“ legte ich erst einmal zur Seite. Ich werde das Projekt fortführen, wenn die Orion Edge fertig ist.

Die Schale scheint mir schon recht stabil zu sein und wiegt in diesem Zustand genau
67 g.

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Der Rand der oberen Schale wurde nach diesem Foto noch einmal ganz exakt beschnitten und ist nun fertig

Ich hatte nun zum ersten mal eine Rumpfschale über einer Positivform laminiert, war recht zufrieden mit dem Ergebnis und irgendwie erstaunt, wie einfach das ganze im Grunde war. Und das Material hatte ich größtenteils ja sowieso. Wer einen Holzrumpf sauber laminieren kann, der kann m.E. von so einem Rumpf dann auch eine laminierte Schale abnehmen!

Dass müsste eigentlich jeder Holzrumpfbauer machen, bekommt er doch so zwei Rümpfe mit unterschiedlichen Eigenschaften von einem. Der Aufwand des Laminierens ist im Vergleich zum Bau eines Holzrumpfes lächerlich gering. Man muss nur beim Ablösen vorsichtig sein. Bin mal gespannt, wie sich beide Rümpfe später mal im Vergleich bewähren.

Besser geht’s doch eigentlich nicht, oder?

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