#5 Projekt Orion Edge 65 – Rumpf überlaminieren

Laminieren ist für mein Projekt eher der Oberbegriff für eine Reihe von Arbeiten, mit denen der empfindliche Balsarumpf geschützt und für die Lackierung vorbereitet werden sollte:

  • außen Streichen mit Parkettlack – zieht ins Holz ein und härtet es
  • Laminieren
  • Spachteln mit Spritzschachtel und Schleifen
  • innen Streichen mit Parkettlack
  • nass schleifen mit 600er Papier
  • … bis der Rumpf fertig ist!
  • Abkleben mit Krepp

Doch der Reihe nach. Den Rumpf hatte ich direkt nach dem Aufplanken geschliffen. Es ging darum, eine saubere Rumpfform zu schaffen und vor allem die kantigen Plankennähte zu glätten. Trotzdem blieben kleinere Dellen und Unebenheiten.

Ich schliff mit einem Schleifbrett mit 180er und 240er Papier und passte dabei höllisch auf, denn das weiche Balsa setzte dem Schleifpapier nur wenig Widerstand entgegen. Ich arbeitete also mit minimalstem Druck und kontrollierte ständig den Fortgang der Arbeit. Zum Abschluss entstaubte ich den Rumpf mit einem Staubsauger.

Der Anstrich mit Parkettlack soll das Holz schützen und härten, aber auch kleinere Löcher und Risse füllen. Ursprünglich wollte ich dafür EpoSeal 300 verwenden. Es ist dünn wie Wasser und dringt tief ins Holz ein, stinkt aber ziemlich und ist ca. 3x so teuer. Daher verwendete ich Parkettlack. Ich nahm matten, wasserlöslichen Lack, da er nach meiner Einschätzung eine optimale Haftung für die folgenden Beschichtungen bot.

Der Rumpf bekam drei Anstriche. Dann ließ ich den Lack ein paar Tage richtig durchhärten.

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Der Rumpf nach drei Anstrichen mit Parkettlack

Bei diesen Arbeiten stellte ich fest, dass die Rumpfseitenwände auf beiden Seiten ein Stückchen von mehreren Spanten abstanden. Das lag daran, dass ich zum Aufplanken die Spanten mit Tesa abgeklebt hatte. So wurden die Planken nicht mit dem aus den Plankennähten herausquellendem Leim an die Spanten „angeheftet“.

Ich zog den Rumpf mittels mehrerer um den Rumpf gelegter Schnüre wieder an die Spanten und klebte mit Sekundenkleber einige „Hilfsstringer“ aus Balsaresten hinein. Die halten jetzt alles in ordnungsgemäßer Position und werden wieder entfernt, wenn der Rumpf von der Helling ist.

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Die „Hilfsstringer“

Laminiert habe ich mit einer Lage 83 g/qm Glasgewebe und Epoxyd-Harz. Zunächst rollte ich den Rumpf ganz dünn mit Harz ein. So konnte das Gewebe nach dem Auflegen nicht mehr verrutschen. Dann legte ich das Gewebe auf und rollte es mit einer kurzflorigen Lackierrolle an. Das mit so wenig Harz wie möglich, um keine „Harzseen“ zu produzieren. Ich rollte zunächst von der Rumpfmitte über den Kiel Richtung Bug und Heck, dann langsam wieder von der Mitte her die Seiten herunter.

Das Rollen musste sehr vorsichtig geschehen, um das Gewebe nicht zu verschieben und um keine Falten zu produzieren. Dann lag das Gewebe komplett am Rumpf an und weder Luftblasen noch weiße Stellen zu sehen waren. Weiße Stellen = kein, bzw. zu wenig Harz.

Die Gewebeüberschüsse an den Kanten schnitt ich grob ab, bevor ich diesen Bereich mit Harz rollte.

An den Kanten neigte das Gewebe dazu, sich insbesondere in gerundeten Bereichen (z.B. Heckspiegel) wieder etwas abzulösen. Da half nur immer wieder kontrollieren und andrücken, bis es sicher haftet.

Nach einem Tag Aushärten konnte ich dann sehen, dass sich die feine Gewebestruktur unter der dünnen Harzschicht an einigen Stellen abzeichnete. Das wollte ich noch vor dem Grundieren und Spachteln so gut es ging beseitigen. Nach Einholen etlicher Infos entschied ich mich, einfach noch einmal dünn mit Harz zu rollen. Das beseitigte tatsächlich die Strukturmuster weitgehend. Von einer Bearbeitung mit durch Talkum als Füllmittel versetzten Harz sah ich ab, da dies eher einer Spachtelung mit entsprechendem Nachbearbeitungsaufwand entsprochen hätte.

Danach ließ ich den Rumpf noch einige Tage durchhärten und schnitt dann die Gewebeüberschüsse mit einem Cuttermesser sauber ab.

Es macht übrigens Sinn, für Arbeiten mit Epoxyd-Harz Einweghandschuhe anzuziehen! Am besten welche aus Nitril, da Epoxy wohl durch Latex diffundieren soll.

Auch sollte man nicht zu kräftig am Glasgewebe herumziehen. Das könnte leicht zu unschönen Fadenverschiebungen führen.

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Das Laminat ist auf dem Rumpf, überschüssiges Gewebe grob abgeschnitten

Erfreulich war, dass sich das Breddermann-Harz sehr gut verarbeiten ließ und keine üblen Gerüche verströmte. Ich nutzte das niedrig viskose Hochleistungsharz mit 55 Minuten Verarbeitungszeit und zum Rollen eine normale, kurzflorige Lackierrolle. Schaumstoffrollen sollten keine Anwendung finden, da sie feine Blasen im Harz hinterlassen.

Auf den ersten Blick schien der Rumpf sehr glatt zu sein. Ein leichtes Anschleifen mit 240er Papier zeigte aber eine leicht unebene Oberfläche und einige kleinere Harznasen im Bugbereich. Ich hätte dies durch Zugabe von etwas Thixotropiermittel verhindern können. Doch das wusste ich erst später.

Ich trug mehrere Schichten Presto Acryl-Sprühspachtel auf, ließ ihn trocknen und schliff ihn zunächst noch einmal mit 240er Papier und die Unebenheiten zu beseitigen. Das ergab schon einen sehr glatten Rumpf. Dann folgte noch eine Schicht Sprühspachtel, die ich wiederum aushärten ließ und dann mit 400er Papier überschliff.

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Der Spritzspachtel ist aufgetragen
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Verunreinigungen mit den Fingern wegnehmen zu wollen ist keine gute Idee. Die Stelle ließ sich jedoch problemlos wegschleifen … puiiihhh …
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Der fertig geschliffene Rumpf

Dieser Sprühspachtel ist wirklich zu empfehlen, denn er lässt sich ausgezeichnet schleifen und ergibt sehr glatte Flächen.

Der Rumpf war nun bereit zum Lackieren. Doch das sollte erst später kommen.

Erstens hatte ich mich aufgrund der lebendigen Diskussion im Forum entschlossen, den fertigen Rumpf als Positiv-Form zu nutzen und eine laminierte Schale von ihm abzunehmen und zweitens sollte das Lackieren erst nach der Montage des Decks erfolgen.

Über erstens berichte ich gesondert.

Auf der Waage brachte der laminierte, gespachtelte und geschliffene Balsarumpf nun 113 g. Zum Vergleich: Die Epoxy-Glas Rumpfschale wog 66 g! Hätte ich 49er Glasgewebe genommen, wäre ich wohl, auch aufgrund des geringeren Harzauftrags, bei ca. 100 – 105 g gelandet. Aber ich bin schon zufrieden.

Nachdem ich die Rumpfschale abgenommen hatte, war es Zeit, den Rumpf von der Helling zu nehmen. Ich löste die Klemmschrauben und konnte dann zum ersten Mal den Rumpf richtig von innen sehen. Es war schon ein denkwürdiger Moment, ihn nun so in den Händen zu halten.

Ich schnitt ich zunächst den Spant 0 ab und lackierte dann das Rumpfinnere zweimal mit Parkettlack, um auch hier das Balsa zu schützen.

Im einem letzten Arbeitsgang reinigte ich den Rumpf mit Wasser und Aceton gründlich vom Trennmittel und schliff ihn noch einmal nass mit 600er Nassschleifpapier. Damit erreichte ich ein schönes Finish und stellte zugleich die Grundierung fertig.

Ein kleiner Dank …

… ist an dieser Stelle jetzt aber mal dringend angebracht. Er gilt ganz besonders Uwe , meinem Mentor aus dem RG-65 Forum, dessen umfangreiches Modellbau-Wissen und seine Erfahrung ich bisher mit vielen Fragen anzapfen durfte und der mir geduldig bei vielen Dingen half.
Etliches davon fließt auch in meine Berichte ein und alles half mir enorm, den bisherigen Stand der Dinge so vergleichsweise problemlos zu erreichen.
Danke, Uwe!

Und natürlich gilt mein Dank auch all den Forumsmitgliedern, die mir bisher so viele wertvolle Hinweise und Tipps gegeben hatten.
Auch Euch – Danke!

Weiter geht’s mit #6 – Anfertigung der Mast-/Kieltasche

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