#4 Projekt Orion Edge 65 – Aufplanken

Die beiden ersten Planken am Kiel waren drauf! Die Dinger aus dem 2 mm Balsa zu schneiden erwies sich mit dem Kavan-Leistenschneider jedoch als ziemlich frickelig. Also baute ich zunächst einmal eine Lehre für das Teil. Dann konnte ich mir perfekte 6 mm Leisten schneiden.

Dank der einigermaßen präzisen Vorarbeit mit den Spanten passte die erste Planke genau. Ich schliff sie nach Augenmaß an der Kielnaht an, fixierte sie und passte dann beide Kielplanken exakt aneinander an. Dann verleimte ich zunächst die erste an den Spanten 0 und 10, fixierte sie auf den anderen Spanten, dann die zweite an der Kielnaht und den Spanten 0 und 10. Auch sie wurde an allen Spanten, aber insbesondere an Bug und Heck fixiert, weil hier einer größere Spannung vorhanden war.

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Die erste Planke sitzt
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Die zweite auch

Die Kanten der Spanten hatte ich übrigens mit Tesa abgeklebt. Wenn der Rumpf später abgenommen wird kleben die Spanten nicht an der Rumpfhülle und diese bleibt innen vergleichsweise sauber.

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Mit Tesa abgeklebte Spanten

Den wasserfesten Holzleim Leim trug ich mit einem kleinen Borstenpinsel so sauber wie möglich aber satt entlang der Kielnaht auf. Das funktionierte recht gut. Den Leim ließ bis zum nächsten Tag abbinden.

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Leimauftrag

Schwierig war das Ganze nicht wirklich, nur zum Spant 10 hin mussten die Planken schon sehr verdreht werden.

Zwischenzeitlich klebte ich die Plankenvorlagen mit Tesa auf Balsa und schnitt sie mit scharfer Klinge aus. Dann fixierte ich die breiten Planken probeweise an den Spanten. Sie passten und mussten nur noch angeschliffen werden. Ein Fall für die Schleifbretter! Zum Schleifen nahm ich immer ein Plankenpaar zusammen, schliff erst die Kanten bündig und dann schräg an. So waren die Planken für beide Seiten gleichartig. Beim Schleifen des Balsa fiel eine ganze Menge feiner Mull an. Den sammelte ich und verwendete ihn später als Kleberbeimischung für kleinere Reparaturarbeiten am Rumpf.

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Planken schleifen. Den Mull sammelte ich

Bei der Probemontage der breiten Planken stellte ich auch fest, dass ein gewisser Kraftaufwand und feste Klammern erforderlich sein würden, sie an die Konturen der Spanten zu schmiegen. Insgesamt würde ich reichlich Klammern benötigen, denn die Planken mussten wohl ziemlich verwunden werden.

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Fixierung der breiten Planken

Und so wars dann auch. Ich brauchte gute zwei Stunden um die breiten Planken anzupassen und zu montieren. Zunächst einmal schliff ich die Längskanten entsprechend der Anleitung zur Orion schräg. Dann fixierte ich die Planke an den Spanten ausgerichtet an den oberen Markierungen. Zum Abschluss verleimte ich beide Planken an den Spanten 0 und 10. und fixierte sie mit jeder Menge Klammern.

An den nächsten Tagen verleimte ich dann jeden Tag auf jeder Seite des Rumpfes drei bis vier 6 mm Planken. Die Vorgehensweise war immer die gleiche: Anpassen, Leimen, Fixieren und abbinden lassen. Je weiter ich mich dem Kiel näherte, je aufwändiger wurden die Anpassungsarbeiten.

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Planke um Planke schließt sich der Rumpf

Ich lernte von Planke zu Planke, es besser zu machen und den Effekt kann man am aufgeplankten Rumpf recht gut erkennen. Zum Kiel hin saßen die Planken immer besser, die Nähte waren kaum noch zu sehen.

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Immer wieder mal kontrollieren. Hier der korrekte Sitz der Kielnaht auf der Mittellinie

Das sorgfältige Anpassen ist natürlich wichtig, aber dem geschickten und ebenso sorgfältigem Fixieren kommt m.E. ebensolche Bedeutung zu. Zuerst klammerte ich nur, stellte aber bald fest, dass dies nicht reicht.

Bis zum Erreichen des Kiels mit den Plankenenden stellte sich für mich folgendes Verfahren als das beste heraus:

  • die angeschrägte Planke unter den Klammern einschieben
  • auf ganzer Länge durch Andrücken testen, ob die Naht korrekt ist
  • Leiste nach oben ziehen und mit 3 – 4 Nadeln an den Spanten fixieren
  • auf die Kante der bereits verleimten Holzleim auftragen
  • neue Planke andrücken und mit den Klammern fixieren
  • heraus gequollenen Leim feucht abwischen
  • Plankenkanten zusammendrücken und mit Krepp fixieren
  • noch einmal Leim abwischen
  • noch einmal den Klammersitz kontrollieren
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Planke einschieben … zu den Klammern: Wäscheklammern sind eher untauglich, die roten aus Metall zu kräftig und nur die Plastikklammern waren wirklich brauchbar
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Sitz kontrollieren
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Planke hochziehen und fixieren
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Verleimen und fixieren

Nach erreichen des Kiels ging ich wie folgt vor:

  • alle Klammern und alles Krepp ab
  • Planke einpassen
  • Leim auftragen
  • Planke an beiden Enden einsetzen und mit Krepp fixieren
  • Naht andrücken und Leimüberschüsse sofort feucht abwischen
  • von der Mitte zu den Enden mit Krepp fixieren
  • nochmal Leim abwischen
  • Klammern setzen

Ich fand die Revell Modellklammern und die Wolfcraft S zum Klammern am geeignetsten. Meine kräftigeren Metallklammern mit dem roten Kunststoffschutz setzte ich zuletzt nur noch an Bug und Heck ein. Sie sind mit Vorsicht zu genießen, da sie leicht Dellen ins leichte Balsa drücken. Von den Wäscheklammern kam ich schnell ganz ab.

Irgendwann konnte ich die letzten Planken am Kiel einsetzen und mit Krepp fixieren. Diese letzte Fixierung presst Kiel und Planken zusammen, d.h. das Krepp musste recht stramm Streifen an Streifen über das Unterschiff geklebt werden.

Nach dem Abhärten schliff ich das Unterschiff und die Bordwände mit 180er und 240er Papier. Ich arbeitete ausschließlich mit einem 30 mm breitem Schleifbrett und verhinderte so, mit den Fingerspitzen Beulen in das weiche Balsa zu schleifen. Dabei tastete ich immer wieder mit den Fingerspitzen nach minimalsten Unebenheiten und schaute in kurzen Abständen auf das Ergebnis.

Zwei Bereiche forderten bei diesen Arbeiten besondere Aufmerksamkeit: Die Knickkanten (neudeutsch: „Chines“) und der Kiel. Die Knickkanten müssen harmonisch verlaufen. Das überprüfte ich immer wieder nach Augenschein. Der Kiel muß gerade (Längssicht) und harmonisch (Seitenansicht) verlaufen. Ersteres prüfte ich durch Blick vom Bug zum Heck und umgekehrt, letzteres durch eine über den Kiel gelegte, dünne Leiste.

Die letzten beiden Planken waren dann die nach den schmalen Vorlagen. Sie bilden den Abschluss des Rumpfes zum späteren Deck. Hier ging ich wieder analog der breiten Planken vor.

Da die Universal-Helling um die Längsachse gedreht werden kann, brauchte ich den Rumpf noch nicht von der Helling nehmen. Allerdings kappt ich jetzt den Spant 10 und arbeitete ihn nach. Das Anlegen der bereits geschliffenen Planken zeigte, dass alles passt. Ich verleimte von der Mitte zu den Enden und fixierte im Wechsel mit Krepp und Klammern. Mit den Klammern presste ich übrigens die breiten Planken an die Spanten. Nach dem Aushärten noch einmal schleifen und das Aufplanken war erledigt.

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Zum Verleimen der letzten Planken musste Spant 10 gekappt werden
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Planke noch unverleimt
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Planke verleimt und fixiert

Die Verleimung dieser letzten Planken bei noch auf der Helling befindlichem Rumpf war mir besonders wichtig weil ich davon ausging, dass dadurch eine größere Formfestigkeit und -treue des Rumpfes erreicht wurde. Außerdem war mit allen Spanten im Rumpf ein genaueres Arbeiten möglich.

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Der erste große Arbeitsschritt ist erledigt
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Schön sauber definierte Knickkanten erfreuen das Auge
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Der geschliffene Rumpf. Nun können die weiteren Vorbereitungen und das Laminieren beginnen

Damit waren die Beplankungsarbeiten erledigt. Insgesamt erwiesen sie sich für mich weniger problematisch, als zunächst befürchtet. Tatsächlich konnte ich diesen Arbeitsgang in einer Woche und ohne sonderliche Komplikationen erledigen.

Offenkundig hatten sich die recht akribisch ausgeführten Vorarbeiten dabei ausgezahlt. Mit den gewonnenen Erfahrungen hätte ich jetzt keine Bedenken mehr, einen Rundspanter aus schmalen Leisten zu bauen. Im Gegenteil, mit vielen schmalen Leisten Aufzuplanken scheint mir das inzwischen problemloser, als mit wenigen breiten.

Weiter geht’s mit #5 – Rumpf überlaminieren

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