RG-65 Boote – Widerstand war zwecklos!

Wie ich zur RG-65 Klasse kam …

Modellbau fand ich immer schon spannend, kam bisher aber leider nie dazu, mich ernsthaft damit zu befassen. Es fehlte einfach die Zeit und ich hatte und habe auch andere Hobbies wie Trekking, Faltboote, Radtouren und MYOG von Ausrüstung – wie man hier beim „Plünnenkreuzer“ gut nachvollziehen kann. Zudem war ich bis vor ein paar Jahren noch berufstätig. Doch jetzt habe ich mehr Zeit und andere Dinge nehmen mich nicht mehr so sehr in Anspruch.

Im Internet stieß ich schon vor ein paar Jahren zufällig auf die „RG-65 Klasse“ der Modellsegler. Diese eleganten, schnellen und wohl auch interessant zu bauenden Teile hatten es mir sofort angetan. In der folgenden Zeit stöberte ich immer wieder nach Informationen über sie. Langsam reifte in mir dann der Entschluss, mich ernsthaft mit diesen Booten und dem Modellsegeln zu befassen.

Jetzt, im Spätsommer 2018 war es dann soweit. Ich meldete mich beim www.forum.rg-65.de/ an. Diese Website ist auch die Präsenz der „Deutschen Klassenvereinigung RG-65“ (German RG-65 National Class Association – NCA oder kurz DKVRG65) und somit für meine Ambitionen die Anlaufstelle schlechthin. Als Neuer mit dem Nickname „hal23562“, kurz „HAL“, wurde ich dort freundlich aufgenommen. Kurz danach begannen meine Aktivitäten.

Was will ich?

Mein Ziel war und ist nicht nur diese Boote zu segeln, sondern sie auch selbst zu bauen! Allerdings mit einer Ausnahme: Damit ich am Anfang nicht zu lange ohne Boot war und somit auf dem Trockenem saß, legte ich mir als Überbrückung bis zum ersten selbst gebauten Boot eine Dragon Force 65 V6 zu. Mit der konnte ich nicht nur schon segeln lernen, das Boot sollte mir auch als Studienobjekt dienen.

Für dieses Boot und die kommenden Boote kam dann auch noch gleich eine brauchbare Fernsteuerungsanlage hinzu und ich war überrascht, dass diese mich komplett mit Sender, Empfänger, Servos und Akku gerade mal rund 100 € kostete. Da hatte ich aus grauer Vorzeit noch anderes in Erinnerung. Doch dazu später mehr.

Demnächst beginnt mein erstes Selbstbauprojekt und darüber werde ich eine Art Bautagebuch führen, mit dem ich die wesentlichen Projektphasen dokumentiere.

Weshalb dieser Blog?

Nun, ich fand über den Bau von RG-65 Booten in den Tiefen des Internets jede Menge Infos aus allen Teilen der Welt, jedoch eben sehr verstreut. Aber eigenartiger Weise fand ich keine zusammengefassten, detaillierten Informationen, bzw. auch keine Literatur über den Bau von RG-65 Booten, was gerade für interessierte Neulinge auf diesem Gebiet hilfreich sein kann. Von den schönen Baubeschreibungen zur JIF65 und der Ranger einmal abgesehen.
In diesem Blog berichte ich zunächst hauptsächlich über den Bau meines ersten Bootes der RG-65 Klasse. Eine Art Log über den Fortgang des Projektes von den ersten Überlegungen, den einzelnen Bauschritten, bis hin zum zur Jungfernfahrt des Bootes. Sollte es Probleme oder Fehlschläge bei einigen Dingen geben, dann lasse ich auch die nicht aus.
Auch etliche Hilfsmittel, die ich mir für den Bootsbau so ausdachte, weil sie mir halt praktisch erschienen, stelle ich hier detailliert vor. Vielleicht findet ja der/die eine andere auch für sich einen Nutzen darin.

Ich habe durchaus Bastelerfahrung, aber noch nie derartiges gebaut. Viele Dinge muss ich erst lernen oder durch meinen Mentor, den ich über das Forum kennen gelernt hatte, erläutert bekommen. So die kleinen Tricks und Kniffe, die selten irgendwo stehen. Da ergeben sich für mich manchmal Fragen, die erfahrenen Bootsbauern banal erscheinen mögen, für mich als Einsteiger aber zunächst einmal ziemlich hohe Hürden waren. Deshalb dokumentiere ich alles ziemlich kleinteilig. Die v.g. Bootsbauer mögen mir meine Pingeligkeit an manchen Stellen dann milde nachsehen.

Ich möchte interessierte Männer und Frauen ermutigen, sich vielleicht auch an ein solches Projekt zu trauen.
Diese eleganten, schnellen und doch handlichen Boote hatten es mir jedenfalls schon bei der ersten Begegnung im Internet angetan. Ich konnte ihnen einfach nicht widerstehen! Und bis jetzt habe ich schon richtig Spaß mit ihnen gehabt und durch sie einige neue, nette Menschen, wenn auch zunächst leider nur virtuell, kennen gelernt. Wenn das keine guten Gründe sind?

Bevor ich es vergesse: Dieser Blog ist dabei als eine Art Nebenprodukt auch noch entstanden.

Was ist die RG-65 Klasse eigentlich?

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Klassenzeichen RG-65

In den offiziellen RG-65 Klassenregeln von 2012 (Version 2011-12-24) heiß es zur Einleitung:

Die Bootsklasse „RG-65“ ist eine ferngesteuerte Einrumpf-Konstruktionsklasse, in der alles erlaubt ist, was nicht ausdrücklich durch die Klassenregeln verboten ist.
Die Klasse hat ihren Ursprung in Südamerika, wo sie seit vielen Jahren zu den meistgesegelten Modellyachten gehört.
Sie stützt sich im Wesentlichen auf folgende

Konstruktionsmerkmale:
– ein Monorumpf mit 65 cm Rumpflänge
– 2250 cm² Segelfläche und
– 110 cm Masthöhe

Klassenzeichen RG65 Open
KLassenzeichen RG-65 Open

So beginnt die offizielle, internationale Klassenregel „RG65“. Wer detailliert ins Klassenregelwerk eintauchen möchte kann sich ein PDF beim RG-65 Forum herunter laden.

Daneben gibt es noch die darauf fußende nationale Klasse „RG-65 Open“, die den Konstrukteuren deutlich mehr Spielraum lässt und so zu neuen Entwicklungen anreizen soll. Die Boote der RG-65 Open sind nur auf den Regatten dieser Klasse zugelassen. Die der internationalen Klasse RG-65 sind bei diesen Regatten uneingeschränkt zugelassen, umgekehrt die Open-Boote bei den Regatten der internationalen Klasse jedoch nicht.

c65
Klassenzeichen 65 Class

Der Vollständigkeit halber möchte ich hier noch die Boote der 65 Class – auch C-65 genannt – erwähnen. Sie gehören zu einer Klasse des konkurrierenden Verbandes der „International Radio Sailing Association – IRSA“. Auf eigentlich ausschließlich deutscher Ebene fahren die Boote bei der beim DSV angehängten „Deutschen Klassenvereinigung Radio Controlled Sailing“ – kurz DKVRCS.

Diese Klasse wurde aus der Taufe gehoben, nachdem sich die RG-65 Klasse von Südamerika kommend bereits lange sehr erfolgreich weltweit etabliert hatte. Die Boote dieser Klasse sind Klone der RG-65 und ähneln sich derart, dass sie bei Einhaltung der Wettkampfvorschriften (insbesondere Segelkennzeichnung!) in Regatten der der DKV RG65 antreten könnten. Selbst ihr Klassenzeichen weist als Segment des RG-65 Klassenzeichens auf die Herkunft hin.
Eine Zusammenarbeit zwischen der DKVRCS und der DKVRG65 hat inzwischen das Zeitliche gesegnet, denn die bis dato nur vermuteten Absichten einer Art „feindliche Übernahme“ durch den erheblich kleineren Newcomer schienen sich offenkundig immer mehr zu manifestieren. Eine solche würde das vergleichsweise unkomplizierte Regelwesen bei RG-65 durch das rigidere und kompliziertere der DKVRCS ersetzen und zudem wohl auch eine obligatorische Vereinsmitgliedschaft beinhalten.

Wem also mehr an Titeln als an Spaß am Segeln gelegen ist, mit recht pingeligen Regularien und einer gewissen Verbissenheit beim Wettkampf, der dürfte wohl hier seine Heimat finden. Inklusive Vereinsleben.
Wer allerdings gerne Boote baut oder konstruiert, sich mit anderen darüber austauscht, und/oder einfach Spaß am wettkampforientierten, in der Regel aber entspannten RC-Segeln und am Hobby als solches haben will, dabei noch nette Leute kennenlernen möchte, der ist bei RG-65 bestens aufgehoben! So habe ich es jedenfalls bis jetzt wahrgenommen.
Hier gibt es „inoffizielle Deutsche Meisterschaften“ (iDM) und wer möchte, findet sich auch auf den Listen der RG65-Liga wieder. Nach meinem Eindruck wird das alles zwar durchaus ernsthaft, aber keinesfalls verkniffen gehandhabt und das gefällt mir.

So habe ich mich letztlich für die RG-65 Klasse und die DKVRG65 entschieden. Verbands- und Vereinsmeierei liegen mir nicht so, aufwändig-bürokratische Vermessungsbriefe für meine selbstgebauten Boote und Segel brauche ich auch nicht.
Ich will einfach nur mit und an meinen Booten Freude haben und mit entspannten, netten Leuten segeln!
Einige unerfreuliche Ereignisse im RG-65 Forum haben mich dann noch zusätzlich darin bestärkt, für mich die richtige Wahl getroffen zu haben.

Kleine Historie

Der Urahn der Klasse RG-65 schwamm 1950 in Argentinien zum ersten mal im Wasser. Ein Mann namens Juan Gherzi hatte ein handliches Modell-Segelboot gebaut, 65 Zentimeter lang mit 100 Zentimeter hohem Mast. Die Geburt einer neuen Modell-Segelbootklasse. Ihm zu Ehren wurde später die Klassenbezeichnung aus seinem Namen und der Rumpflänge gebildet: G65. Es waren frei segelnde Boote, denn verwendbare RC-Steuerungen gab es zu der Zeit noch nicht.
Das änderte sich am 24. Juni 1978. Ein Argentinier namens Raul Landó ließ im Urquiza Teich in Buenos Aires seine mit einer Fernsteuerung ausgestattete G65 zu Wasser. Die „radio controlled“ Klasse RG-65 war geboren!
Die RG-65 verbreitete sich nun über den ganzen Globus. Ihre Vorteile wie Handlichkeit, Budgetfreundlichkeit und viel Freiraum beim Entwickeln und Bauen neuer Boote , es ist ausdrücklich ein sog. Konstruktionsklasse, machen sie heute zur vermutlich meist gesegelten RC-Segelbootklasse der Welt.

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